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PORTRAIT |
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Stan
Lafleur Olaf Karnik |
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Stan Lafleur HEL - BELGIERNACHSCHLAG Seit bald 30 Jahren streut HEL, Berliner belgischer Abkunft, seine Gedichte vornehmlich in zahllosen Untergrund-Publikationen und diversen Einzelbänden bei Klein- und Kleinstverlagen. Völlig unbeachtet von Betrieb und Feuilleton üben seine eigenwilligen Texte seitdem maßgeblichen Einfluß auf weite Teile nachrückender Dichtergenerationen aus. Nun ist mit "Trostlied für Nada", das von Tom Schulz für die neue Kölner Lyrikreihe im Stahl-Verlag (ehemals KRASH) zusammengestellt wurde und eher kürzere Texte aus mehreren Schaffensperioden kompiliert, sein erstes Taschenbuch erschienen. Höchste Zeit, sein bis dato entstandenes Werk etwas näher zu beleuchten: Mit liedhaften Texten begann HEL im Jahr 1977, angeregt durch Texte von Bob Dylan, Bertolt Brecht und Charles Bukowski, sein Werk, das bis heute rund 1500 Schreibmaschinen-Seiten Lyrik umfaßt, die auf schier enzyklopädischem Wissen ebenso wie auf Erfahrungen in den Straßen seiner diversen Aufenthaltsorte gründen. An der Weltlyrik fast aller Epochen und Regionen geschult, verfügt HEL über eine handwerkliche Bandbreite, die in dieser Form äußerst selten in einem einzigen Werk anzutreffen ist. Bekannte und weniger bekannte Metren transportieren seinen bisweilen überbordenden, stets am tatsächlichen Leben orientierten Mix aus lexikalischer Mottenkiste und modernem Jargon, der auf allesbestaunender Archäologie gründend ozeanische Spannungsfelder webt, plastische, klein- und großflächige Texte, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchmengen. Ähnlich
verwoben sind HELs Schaffenszyklen. Anschließend an die frühen
Lieder entsteht, eingeleitet von Balladen über den Hundertjährigen
Krieg, hauptsächlich in den 80ern eine wortgewaltige Nachtfahrt durch
die Geschichte, an deren weniger bekannten Schauplätzen der Dichter
ausführlich verweilt. In der Regel läßt er kleine, geschlagene
und vergessene Helden zu Wort kommen: Zweifelnde Badesklaven, erfinderische
Bäuerinnen oder den Wollkämmer Lioncino, dessen Morgenansprache
an seinen Sohn während einer Erwerbstätigkeit HELs als Reinigungskraft
auf einem Heizungsrohr als Schreibunterlage entstand. Zig Langgedichte
gehören diesem bisher unveröffentlichten Werkblock an, darunter
auch das über den Fesselballonpionier Cassivellaunus: <br> In seinen
historischen Texten klärt der Dichter die Grundlagen des Wissens
und menschlicher Verhaltensweisen. Krieg und Verbrechen finden ihre lyrische
Widergabe ebenso wie erhabene und schöne Leistungen, am besten in
einem Atemzug. Ein massiver, derzeit noch wachsender Werkblock, überschrieben mit "4chen", ist einzig nach dem formalen Kriterium der herangezogenen Versschmiede-Technik benannt. Darunter zählt HEL die titelgebenden Vierzeiler nach dem Rubay-Schema altpersischer Dichtung, aber auch seine "ellefenten", Elfzeiler natürlich, die wie die Vierzeiler (letztere teilweise in Kooperation mit Dichterkollegen), zu grotesken Textfresken wachsen, sowie klassische Distichen, meist als zweizeilig-lyrische Aphorismen. Gleich ob früh- oder neuzeitlich, europäisch oder exotisch, Sonett, Ghasele, Pantum oder Haiku - es existieren kaum gängige Versformen, die HEL nicht erprobt hätte. Nach den
Reisen durchs Weltwissen ist HEL im neuen Jahrtausend vorerst zurück
bei seiner Heimat angelangt. Die "Lammesheider Lyrchen" betitelten
Erinnerungen an seine Eifel- bzw. Ardennenjugend spielen im Großraum
des Aachener Dreiländerecks. Gerne benutzt HEL hierfür den urdeutschen
Vierzeiler mit simplen AB-Reimschemata - und bezeichnet diesen jüngsten
Werkkomplex als seine "basement tapes" und den Chanson, "aus
welchem Material auch immer", als "einen Augenblick der Wahrheit",
woran der Dichter nunmal zu arbeiten habe: <br> HEL ist Hauptpseudonym
von Herbert Laschet, der 1957 in der deutschsprachigen Enklave Eupen-Malmedy
in Ostbelgien zur Welt kam und gelegentlich auch andere Pseudonyme verwendet.
Über Frankfurt am Main, Aachen, Köln, Hamburg und Düsseldorf
zog es ihn 1990 nach Berlin, auf den Prenzlauer Berg, wo er oberhalb der
Geräuschgrenze den Nächten magische Verse abzapft. Als Belgiernachschlag
bezeichnet HEL eine reichliche zweite Essensportion: Nach einigen kleineren
Einzelpublikationen bei u.a. SuKuLTur, der edition roadhouse und einer
geheimnisumwobenen Werkausgabe in progress bei Caroline Hartge, erschien
im März 2005:<br>
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