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besten Bücher 2003 Olaf Karnik
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Stan Lafleur OBSTESSEN IN BOSNIEN Ein Buch wie ne Scheibe Puffreis: Sieht erstmal nach was aus, bietet dann weitaus mehr Luft als Nährwert und hinterläßt nur faden Geschmack. Die allseits hochgelobte Autorin reist mit ihrem Hund durchs aufbautruppenbesetzte Bosnien, um sich Fragen wie solche zu beantworten: Was hat damals den Krieg ausgelöst? Warum gibt`s hier keinen McDonald`s? Wo kommen all die Wassermelonen her, die in den Straßen feilgeboten werden? Was mache ich eigentlich hier? Am Ende der 250 Seiten Reiseberichterstattung wird Zeh keine befriedigende Antwort liefern, was ihr (hatte sichs anhand der grundlustigen Fragemischung etwa erahnen lassen?) völlig egal scheint. War sie je eine Antwort schuldig? Sicher nicht, wir leben in einer unverbindlichen Zeit. Beim Leser bleibt indes das Gefühl, getäuscht worden zu sein: Weshalb hat die Autorin denn überhaupt gefragt? Der Eindruck entsteht, als wollte Zeh nurmal so drauflosschreiben, von den Bildern und Vakui in ihrem Schädel. Und Bosnien gab dafür einfach ein cooles Panorama her. Nun, Juli Zeh erzählt uns trotz solcher Mängel eine Menge: Davon, wie ihr Hund auf andere (bosnische) Hunde reagiert (und diese wieder auf ihn). Sie wendet hübsche kleine Metafern aus der Chandler-Bibel an für alles mögliche, was sie vorfindet, Gemmen und Kameen auf der Schutthalde des Alltags. Sie erzählt von den ein, zwei oder drei schrägen Typen, die sie unterwegs kennenlernt. (Zwar erzählt sie von denen nicht viel - und kriegt es somit ganz gut hin, diese Gestalten nicht überzubewerten, ihnen keine allzu ausführlichen Statements zu entlocken, sodaß die über allem schwebende Sinnleere stets auf dem Level kurz vorm Umkippen ins bodenhaftende oder -lose verharrt.) Wir bekommen mit, daß Zeh während der Reise scheints grundlos auf feste Nahrung verzichtet, stattdessen müssen`s Wasser und Obst tun (beides steht in Bosnien ausreichend zur Verfügung). Wir lesen von ein bißchen Elend und Ruinen, ansonsten sei alles ganz normal. Hübsche Städte, zerstörte Städte, zerstörte Landschaften, hübsche Landschaften. Undsoweiter. Und endlich erzählt uns die Autorin davon, wie sie sich zur Idiotin macht, indem sie durch ungeräumte Minenfelder stapft, um in einem Flußlauf die Finger zu waschen, was nahelegt: Ein Fehltritt und dieses Buch wäre uns womöglich erspart geblieben. Wenn der Bericht einen Charme entwickelt, dann aus Zehs fraglos begabter Sprache, die leider nur in Ansätzen den Tiefgang einschaltet, meist oberflächlicher Beschreibung dient, aber wenigstens den Lesefluß angenehm gestaltet. Dem donaldduckhaften Verhalten der naiven Touristin, die sich stets mehr wundert als reflektiert zu kommentieren, sich taff und schutzbedürftig zugleich als so ne Art Hippiepunk-role model selbstbeschreibt, mag der Leser zu- oder abgneigt gegenüberstehen: Mehr als exotisch gefärbte, bisweilen zähe Unterhaltung sollte von dieser Publikation nicht erwartet werden. Juli
Zeh, Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien, btb
im Goldmann-Verlag 2003 |