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Alexander
Kunz (neu)
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 3
Alexander
Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 2
Alexander
Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 1
René
Hamann
Kolumne 1 - die Zweite
Serie:
Die Schreckliche Wahrheit über Comics
Teil 3
-
Klaus Schikowski
Faszinationen in Frankfurt.
Comics auf der Frankfuter Buchmesse 2006
Teil 2
-
Lotte
Comic-Herbst
Teil 1 -
Klaus Schikowski
Der Sommer der Liebe oder
Eine Reise zum Comic-Salon Erlangen
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Alexander
Kunz
ICH SAH
DAS ELEND FLIMMERN... (Folge 1: 28.01.2007 / "Wickerts Bücher"
/ ARD)
Fast pünktlich zum Jahresbeginn gibt es nun diese Kolumne, die das
betrachtet, was sich entschlossen hat eine Liaison einzugehen, die zwei
obsolete Medien vereint: Das Fernsehen und die Bücher. Natürlich
spreche ich mich immer noch für letzteres obsolete Medium aus, erstgenanntes
verachte ich immer noch - und immer mehr - seitdem nämlich diese
unglückliche Kombination immer wieder eines vermittelt: Buchkultur
hat sich der Fernsehkultur mittlerweile soweit angenähert, dass vor
allem eines geliefert wird: Effekte, Effizienz und sehr schnell und sehr
leicht Konsumierbares. Was bleibt einem also übrig: Alte Bücher
lesen (ich sag mal alles vor ca. 1994), s/w-Filme anschauen und natürlich
peinliche Fernsehsendungen über Bücher so nebenbei wahrnehmen,
wie sie es verdienen. Deshalb: diese Kolumne erhebt keinen Anspruch auf
Konzentriertheit, Vollständigkeit oder gar 1-zu-1-Abgleich der dort
besprochenen Bücher. Sendungen wie "Druckfrisch. Neue Bücher
mit Denis Scheck", "Wickerts Bücher" und die reine
Frauensendung "Lesen!" von Elke "Stratmann" Heidenreich
sind nicht gemacht, um sich mit etwas eingehend zu beschäftigen,
sie sind gemacht um werbewirksame Schnellurteile zu vermitteln, ein Zulieferdienst
für die sog. "großen Buchhandlungen", ein Perpetuieren
der Bestsellerlisten der letzten Jahre, auf dass sie denn für immer
gleich bescheuert bleiben (wo mag Paulo Coelho im Jahr 2017 stehen? Auf
Platz 15, 28, 1, keine Ahnung, wir werden sehen).
Der Cut kam so um die Jahrtausendwende: Ein halb seniler, halb sehr fitter
Marcel-Reich Ranicki muß das erste mal für eine seiner zahlreichen
Ausfälle zahlen, eine zurecht beleidigte Sigrid Löffler kündigt
den Job bei Ranicki und gründet "Literaturen". Das hatte
zwei Entwicklungen zur Folge: eine Art Monopolstellung verschwand: das
"Literarische Quartett" als zwar nicht unbedingt zuverlässige
Bundesempfehlungsstelle für gute Literatur, jedoch als zumindest
streitbaren Meinungslieferanten über aktuelle Titel auf dem unübersichtlichen
Markt. Klar, Ranicki lieferte von Anbeginn krasse Fehlurteile (klassisch:
"Mein Herz so weiß" von Javier Marias), zeichnete sich
vor allem durch altersbedingten Konservativismus aus und ignorierte tausende
interessante Bücher sowohl kleiner als auch großer Verlage.
Das entscheidende war jedoch, dass sich die Drei plus Gast auf ihr Handwerk
verstanden: dass des belesenen Literatur-Kritikers. Gutes Handwerk, mehr
nicht unbedingt, aber immerhin. Das scheint Denis Scheck verlernt zu haben,
Wickert gar nicht erst zu beanspruchen und Heidenreich nie gelernt zu
haben. Darüber hinaus hatte der konservative Ansatz von Reich-Ranicki
auch was für sich: Mittelmäßige Thriller-Autoren oder
ähnliches Gesindel, welches bei Scheck zu Weltliteratur verklärt
wird, hatte bei M-R.R. nicht die geringste Chance, aufgenommen zu werden.
Die zweite Folge des Eklats war eben die Gründung von Sigrid Löfflers
Literaturzeitschrift. Man mag von Sigrid Löffler halten was man will,
eins muß man jedoch sagen: "Literaturen" ist als Informationsquelle
über aktuelle Titel allemal gelungener und brauchbarer als Denis
Schecks eitler und pseudo-hipper Boulevard-Salon. Soviel also zu brauchbaren
Medien.
Nun ist also das Jahr 2006 vorbei: Das Buch der SS-Zwiebel ist schon wieder
vergessen, der Lolita-versessene Greis hatte auch seinen obligatorischen
Zirkus und die 24-hour-Hausfraumutter kam eh nicht durch mit ihren hirnrissigen
Ansätzen.
Bezeichnend, daß das Jahr anfing mit einer der überflüssigsten
Büchersendungen, die ich jemals gesehen habe. War das Debüt
von Ulrich Wickerts "Wickerts Bücher" zumindest von der
Auswahl der Autoren noch ganz nett, so verdient die Sendung vom 28.01.2007
den Orden der Belanglosigkeit. Thema war dieses Mal "Essen".
Das ist aber auch bei Wickert kein Wunder. Nicht etwa weil er so wohlgenährt
ausschaut ( das war eher bei dem eingeladenen Ernährungsexperten
der Fall), sondern weil alte Männer gerne über gutes oder schlechtes
Essen schwadronieren. Das ist eben die "Generation Kronzucker",
die Feinkost-Apologeten, die ganze Beiträge über das Herstellen
von Bruscietta-Aufstrich oder ähnlich Wichtigem sendet. (Allerdings
im guten alten "Sendung-mit-der-Maus-Stil". Wer regredieren
will, ist hier gut aufgehoben).
Bei Wickert war also die Langeweile durch das Thema schon vorprogrammiert.
Ich weiß auch wirklich nicht, ob Kochbuchautoren so die geeignetsten
Personen für eine Diskussion sind. Nach ca. 8 Minuten war denn auch
klar, dass zwischen der Star-Köchin Sarah Wiener und dem Ernährungsexperten
Udo Pollmer keine Diskussion zustande kommen wird. Der Nachdruck ihrer
Positionen kam ungefähr genauso gar nicht rüber, wie angebliche
Lebensphilosophie in Kochbüchern. Olga Kaminer, die in die Fußstapfen
ihres Mannes tritt und auch glaubt schreiben zu müssen, erzählte
kurz und verschlafen über russische Küche und ihr Buch "Küche
totalitär: das Kochbuch des Sozialismus". Wickert hält
sich netterweise zurück und nach 10 Minuten schalt ich aus.
Um ehrlich zu sein: kann eine von Wickert moderierte Büchersendung
eigentlich überhaupt gut sein? Ich würde sagen: nein.
Zum Schluß dieser ersten Folge möchte ich noch das obsoleteste
aller Medien empfehlen, wenn es um Input "Literatur" geht: das
Radio. Schmeißt euren Fernseher weg und schaltet es ein.
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