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Alexander
Kunz (neu)
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 3
Alexander
Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 2
Alexander
Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 1
René
Hamann
Kolumne 1 - die Zweite
Serie:
Die Schreckliche Wahrheit über Comics
Teil 3
-
Klaus Schikowski
Faszinationen in Frankfurt.
Comics auf der Frankfuter Buchmesse 2006
Teil 2
-
Lotte
Comic-Herbst
Teil 1 -
Klaus Schikowski
Der Sommer der Liebe oder
Eine Reise zum Comic-Salon Erlangen
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Alexander
Kunz
ICH SAH
DAS ELEND FLIMMERN...
Teil 2
(Wickert´s Bücher / ARD, 25.02 & 18.03.; Poetry Slam /
WDR, 18.03.; Druckfrisch / ARD, 04.03.; Martin Walser - Ein Stilporträt
/ SWR, 22.03.2007)
Bevor es ganz
im Sinne der Beach Boys heißt: "Fun, fun, fun" (nämlich
bei der letzten Wickert-Sendung), kurz ein Blick auf die Wochen davor,
die allenfalls ein Iggy Pop´sches "No Fun" verdient haben.
Denn was war? Da freut man sich in der letzten Kolumne, dass der süddeutsche
Heimatschriftsteller Martin Walser mal angenehm von der Bildfläche
verschwunden ist und dann: Da ist er wieder! Dieses mal in der Rolle "Das
geschundene Tier" (so der Titel des neuesten Walser-Buches). So einfach
kann man es sich machen, wenn man Vergangenheitsbewältigung, eine
jüdischen Literaturkritiker und kleine Mädchen auf dem Gewissen
hat. Man flüchtet in die Opferrolle. Kommt immer gut. Ach was soll´s,
sich über einen drittklassigen Autoren aufregen, lohnt nicht. Am
besten in Zukunft ignorieren. Ich war zum Zeitpunkt des Interviews bei
"Druckfrisch" am 04.03.2007 Gott-sei-Dank so müde, dass
ich auch seine selten dämliche Aussage zum Thema "Lyrik schreiben"
schon wieder vergessen habe. Es ging so in die Richtung "Jeder Romancier
muß auch mindestens einen Lyrik-Band" schreiben. Vielleicht
lautete es auch anders, auf jeden Fall war´s totaler Unsinn.
In einem Porträt zum 80. Geburtstag durfte sich Walser dann als sprichwörtlicher
Schmerzensmann unter den Saturiertesten alter deutscher Autoren präsentieren.
Im WDR gibt's auch was ganz Schlimmes: die Poetry Slam-Reihe. Einmal gesehen
und es reicht. Wer allerdings das Dilemma der meisten Slam Poetry-Veranstaltungen
vor Augen geführt bekommen will, ist hier gut aufgehoben. Die Schnittmenge
aus Leistungsschau (Schnelllesen) und Kleinkunst (die meisten Lacher kassieren).
Um literarisches Talent geht's zumindest in dieser Sendung nicht.
Dann "Wickerts Bücher" am 25.02.2007. Thema war "Verzicht".
Wie könnte es auch anders sein, nach dem Superthema "Essen".
Das auf sozial sorgloser Freiwilligkeit basierende Pendeln zwischen diesen
beiden Polen ist nun mal zentraler Bestandteil des spätbürgerlichen
Kapitalismus, deren Kind unter anderem auch Wickert ist. Einziger Lichtblick:
Harriet Köhler ("Ostersonntag" bei Kiepenheuer & Witsch),
die schüchtern lächelnd eine negative Philosophie ins Spiel
brachte. Man kann auch sagen "Realismus" versus "vorgegaukelter
Lebensweisheit" (die zwei anderen Gäste).
Nun aber zum spaßigen. In "Wickerts Bücher" vom 18.03.2007
ging´s dieses mal um "Männlichkeit", exemplifiziert
an drei Vertretern von "Männlichkeits-Thesen": Thomas Brussig
("Berliner Orgie"), Andreas Lebert ("Anleitung zum Männlichsein")
und Annette Zinkant ("Mr. Unentschieden - Warum Männer zu nichts
taugen"). Brussig, bei dem der Eugen Drewermann nicht nur im Rollkragen-Pullover,
sondern auch innen drin steckte, schoss mehrere Male den Vogel ab, indem
er gute Bordelle von schlechten unterschied, immer verbunden mit der Begeisterung,
dass man in guten ja unheimlich gut "flirten" (O-Ton Brussig)
könnte. Der kam aus dem Lobgesang gar nicht mehr raus. Begeisterung
war´s nicht, denn dafür war Brussig zu transusig (eben Eugen
Drewermann). Nachhaken konnten die anderen Gäste auch nicht, denn
Brussig verharrte, was Diskussionsbereitschaft anging, in der gleichen
"Och nö"-Haltung, die er an einer Stelle Frauen in der
Kneipe vorwarf. Das Puffs zum Flirten gemacht sind: auch eine interessante
These. Die Top-Flirterin und Ratgeber-Frau der Runde, Annette Zinkant
("Mr. Unentschieden - Warum Männer zu nichts taugen") war
drauf und dran Thomas Brussig näher auszufragen, warum das mit dem
Flirten denn bei ihm so schwierig sei, wendete sich dann aber doch lieber
dem anderen Ratgeber-Hansel Andreas Lebert ("Anleitung zum Männlichsein")
zu und verlor sich ein ums andere Mal in Koketterie. Weshalb das Ganze
auch gar nichts brachte. Mal abgesehen davon, dass der Ruf nach dem "Neuen
Mann" oder wahlweise der "Neuen Frau" erstens kein spannendes,
zweitens ein unsinniges Thema und drittens vor allem kein neues Thema
ist (alle zwei Jahre wird mindestens danach gerufen). Genauso gut kann
man auch den "Neuen Pudel" oder ich-weiß-nicht-was ausrufen,
das würde auch nicht mehr Substanz erfordern. Wie auch immer, die
Frage nach der Männlichkeitsdefinition konnte keiner beantworten,
bemüht wirkte das ganze, aber es blieb alles sehr sehr vage. Einzige
Quintessenz des ganzen: die Definition des Mannes oder der Frau bleibt
im Spiegelbild des Gegenübers stecken. Zwar wurde wieder mal ein
selbstreferentieller Ansatz bemüht (von Zinkant für die Frau,
mehr noch von Lebert für den Mann), nur klappte das auch hier nicht,
sobald sich Männlein und Weiblein gegenüber saßen. Der
Selbstfindungs-Vorwurf bleibt davon natürlich unberührt und
galt auch hier für beide (wenngleich in der Runde nur von Zinkant
gegen Lebert vorgebracht). Irgendwie rührend war dann Brussigs Schlusswort:
John Lennon sei der ideale Mann. Aber auch retro.
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