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stan lafleur (Köln)

maerzrhein

aralblauer himmel, die fluten foetal
von deutschen landschaften zerkaute
substanz: braeunliche nixen fuer

die wellt. drumrum forsythsts.
airbrushn die gestade, dalma
tinerwirklichkeit. blaue augen

wiegen sich zu dritt im sonnenlicht
kegeln kugeln ins zielfoto, finale
beschaulichkeit, die kerzengerade

rauchsaeule ueberm kraftwerk
zeugt von windstille.

mairhein

fruehjahr. der hochwasser fuehrende rhein
schwemmt einen taubenkadaver an land.
eine lang aufgeschlitzte ringeltaube.
sie erinnert jeden sofort an das tier
das in dem beruehmten reklame-trailer
in einem haufen erbrochenen pickte.
nun rupft eine glueckliche dohle
mit ihrem blutgesalbten schnabel
im aas, erbeutet das an wurmartigen
arterien haengende taubenherz.
fruehjahr. brennesseln sprieszen.
das rostige skelett eines kuehlschranks
schmueckt das rheinufer als ready made
land-art-skulptur. im innern birgt er noch
das gedaempfte droehnen seiner herkunft
der siemens ag. sanft wedeln holunderblueten.
junkies im loechrigen brombeergestruepp.
geruch angetrockneter hundescheisze.
fruehjahr. es herrscht wieder erpelueberschusz.
die vitalitaet der ufermeisen zeichnet icons
in die stehende luft, panische entwuerfe
unbewuszten energieausbruchs. hier
entstand & entsteht im fahlen sonnenlicht
die wiederholung des bekannten.


es knospt

mit seiner uferzunge leckt
der rhein geroell, das alpin
schmeckt & griesig & verstaubt

meridian wirft seine hellen
strahlen, an embryonalen
knospen gellen heckenbraunellen

am horizont droehnt segnend ein jet
der flusz kippt um in kornblumenblau
die wasserhaut ein hektischer pfau

& skelettoese funde oxidieren in
kinderhand: papa, da ist noch mehr!
schwule kuesse im glast am strand


sirene

sie kam in einem kohleleichter
eines schubverbands zur welt
von anfang an hat sie das schwarz
der steinkohlen gequaelt

sie sasz auf abgeraeumten halden
die querten emscher, querten rhein
& deutschlands grauem himmel
konnte sie`s grausein kaum verzeihn

sie fing nie an zu sprechen
sie hoerte nie auf zu schrein
man band sie straff am bug fest
& floeszte ihr champagner ein

den schluckte sie wie wasser
zum klaeren des verstands
sie war ja quell & hoffnung
des kohleschubverbands

"oh mutter rhein was treibt
uns immer hin & her?
& warum einverleibt uns
die gier nach geld so sehr?"

die mutter hoert die schreie
die mutter schreit zurueck
der kapitaen laeszt altoel ab
die nacht schluckt schwarzen schlick

"das macht der alte vater
der graue vater rhein!
& du tochter sirene
wirst ewig darum schrein!"

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