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Heinz Ratz:

DREI GEDICHTE

Der Panther (kapitalistisch)

Sein Blick vom vielen Zahlenlesen
so hart und klar geworden wie Kristall,
schwimmt, mag umher der Rest verwesen,
wie ein Brilliant im sonstigen Zerfall.

Das weiche Stampfen seiner Geldfabriken,
das ihm wie Pulsschlag durch die Adern läuft,
ist wie ein hörbares und stetes Nicken,
mit dem ein Gott ihm Gold ins Leben häuft.

Nur manchmal, wenn die Börsenblätter
ihm überraschend in der Hand verwelken,
spürt er den Tod wie einen frechen Vetter
aus seinem Reichtum Gift für Arme melken.

Der Panther (pornographisch)

Sein Blick ist von dem grellen Schein der Lichter
so leer gewaschen, daß er nichts erkennt.
Er hört als nasses Schmatzen: zwei Gesichter,
und spürt den fremden Schweiß, der ihn verbrennt.

Das weiche Kreisen fetter Hinterteile,
das sich um seinen schwarzen Körper dreht,
ist wie ein Tanz, der ihn für eine Weile
aus der Gefangenschaft der Wollust weht.

Dann macht er was die Regisseure hassen:
er dehnt die schwarzen Muskeln, bis sie schrei´n,
schiebt dann sehr sacht die weiblichen und blassen
Fleischmassen fort und lächelt und schläft ein.

ABSTURZ

Wir, die dunklen Dichter, wir sind Ikarusse,
wir stürzen nicht, weil wir der Sonne nahe kamen,
wir stürzen, Rauch und Feuer in den Bahnen,
weil unsre Flügel Wachs sind. Steil im Schusse

abwärts, Kopf voran, die Heiligtume
der Höhe unberührt. Wir brennen,
weil wir den Himmel nicht mehr Himmel nennen,
die Götter Götter nicht mehr, uns zum Ruhme.

Wir wollen: den Himmel selbst in Stücke brechen!
Und brechen letztlich uns entzwei.
Wir schleifen Worte zu Geschrei,
das soll, ein Messer, durch die Wolken stechen.

Wir Ikarusse pfeiffen ums Verrecken
auf Licht und Glanz, was kümmerts uns?
Die Reste unsres Vogelmunds
werden die Splitter sein, die euch im Auge stecken.



(aus "Am Abgrund aller guten Gründe", Geest-Verlag)

 

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