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Walter Wittkämper

DEMENZ-GEDICHTE

Irrweg

Gerissen
im Hirn.
Auf, auf,
zur anderen Seite.
Ei-
weiß noch nicht,
weiß nicht,
wohin
auf dem Gang
aus Holz
mit den weiten Kerben


. Verwirrspiel Demenz

Am Ende der Show
fällt der Vorhang
Kennen Sie meine Mutter?
Fragte schon der kleine Junge.
Und wieder gibt`s besorgte Mienen,
die keinen Rat wissen.
Wie vor Jahrzehnten.
Zum Vorschein kommen
auch Gefühle.
Nur was für welche?
Der alte Spieler bleibt zurück,
die Mutter begleitet ihn das letzte Stück.
Am Ende der Show
fällt der Vorhang


Kopflandschaft

Alles versiegt.
Da oben hält sich nur noch Erika.
Erika? Wo ist Erika?
War eben doch noch da.
Ich muss auf die Suche gehen
. Alles ist so leer hier.
Erika? Wo bist du?
Mein Kind.


Heimisch

Hallo
schallt es durch das Treppenhaus
. Hier geht es rein, da geht es raus.
Die Treppe rauf und runter.
Weiter geht`s den Gang entlang
mit den vielen Türen.
Hier geht es rein, da geht es raus.
Hallo
schallt es durch das Treppenhaus.
Wer kann mich ein Stück führen?


Der Begriff Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "weg vom Geist". Demenz ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns. Mehrere Hirnfunktionen sind davon betroffen: die Sprache, das logische und abstrakte Denken, die Wahrnehmung und vor allem das Gedächtnis, wobei weiter zurückliegende Ereignisse im Leben länger behalten werden. Die Hirnleistungseinbußen verursachen unter anderem räumliche, zeitliche, situative und personenbezogene Desorientierung und motorische Unruhe (z.B. vermehrtes Wandern). Die Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu meistern, geht nach und nach verloren; die Demenzkranken werden zunehmend pflegebedürftiger. Die emotionale Kontrolle ist zwar eingeschränkt. Die Gefühlswelt bleibt aber nahezu unbeeinträchtigt. Daher ist der emotionale Kanal der wichtigste Zugang zum Demenzkranken.
Die am meisten bekannte Demenz ist die vom Alzheimer Typ. Das Gehirn eines Alzheimer-Kranken weist äußerlich nur noch schmale, geschrumpfte Windungen und breite, weite Furchen auf. Es kommt zur Ablagerung von pathologischem Eiweiß im Nervengewebe. Die Krankheit ist nicht heilbar, nur im Frühstadium kann im Gehirn der Abbau von Botenstoffen verzögert werden.
Derzeit leiden ca. 1,4 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz. Mit steigendem Lebensalter wächst das Erkrankungsrisiko: Unter den über 65- bis 69- Jährigen leiden ca. 2-3 % an Demenz, unter den über 80-Jährigen sind es schon ca. 20 %, und unter den über 90-Jährigen ist ungefähr jede dritte Person betroffen. Parallel zur Lebenserwartung wird deswegen in Zukunft auch die Zahl der Demenzkranken in unserer Gesellschaft weiter zunehmen. Politisches Handeln ist schon jetzt dringend erforderlich, hat aber seinen Preis, denn Pflege gibt es nicht zum Nulltarif.

 

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