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Achim Wagner

fortuna

in den frühen morgenstunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse roher schinken grüne oliven eine halbe kanne kaffee & ein glas rotwein aus der frisch entkorkten navarra-flasche samstag erster mai 1999 & ein kleiner spontaner + äusserst günstiger aus-flug hat mich ins fischerdorf cotillo im nordwesten fuerteventuras gebracht im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen beobachte ich wie der wind eine wolkenfront über die vulkaninsel treibt bis der himmel rasch wieder völlig klar ist + dunkelblau leuchtet

in den frühen morgestunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse salami schwarze oliven & ein glas rotwein sonntag zweiter mai im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen

in den frühen morgenstunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse gekochter schinken grüne oliven & ein glas wasser montag dritter mai im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen

11 uhr & in schwarzer baumwollhose + weissem hemd eine blaue sonnenbrille auf der nase schlendere ich zur bushaltestelle & befinde mich eine halbe stunde später 10 kilometer entfernt inseleinwärts in dem ort la oliva wo ich das kanarische kunstzentrum ((casa mané)) besuche neugierig spaziere ich durch die kühlen ausstellungsräume & die farbenfroh komponierten surrealen bilder eines mario antigono beeindrucken mich hinterlassen spuren in meinem kopf dienstag vierter mai gegen abend mit dem bus wieder nach cotillo auf der anhöhe links des kleinen hafens hat sich eine handvoll niederländischer surfer dauerhaft eingerichtet & die piratenflagge auf dem dach ihres hauses flattert im wind

in den frühen morgenstunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse salami schwarze oliven & ein glas rotwein mittwoch fünfter mai im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen

in den frühen morgenstunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse roher schinken grüne oliven eine halbe kanne kaffee & ein glas wasser donnerstag sechster mai im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen & aus heiterem himmel fällt mir ((bedauerlicherweise)) ein dass ich vor einer weile dem heinrich zugesagt habe einen text zum thema "faulheit adelt" zu schreiben ich seufze nehme die beine wieder vom tisch richte meinen blick auf den boden & nach einer stunde habe ich im kopf mühevoll den ansatz zu einer polemik skizziert:

prolog:
urbi et orbi & ein bekloppter der mit tintenfässern nach teufeln schmeisst...
kürzlich haben die amsterdamer obdachlosen an ihrem von ein- & ausfallstrassen sichtbaren asyl ein spruchband angebracht na ihr idioten? wieder schön gearbeitet heute? hatte ich auf dem weg zu einer lesung in der dortmunder kneipe subrosa in einer berliner stadtz
eitschrift gelesen ((war glaube ich der/die tip)) & bin gedanklich bei einer alten physikalischen schulformel gelandet w = f x s also arbeit ist gleich kraft mal weg ergänzt man das ganze beidseitig um geistig ergibt sich eine umfassende definition menschlicher arbeit ((also geistige arbeit ist gleich geistige kraft mal geistiger weg)) da der geist nicht schläft arbeitet der mensch 24 stunden am tag bzw. ein leben lang ob er will oder nicht die niederländischen berber haben ein beeindruckendes ergebnis ihr arbeit zur schau gestellt & zweifelsohne gibt es schwachsinnige arbeit ((quasi antiarbeit deren erfolgreiche durchsetzung auf breiter ebene den menschen tatsächlich am arbeiten hindert)) dass sich ausgerechnet diese schwachsinnige arbeit dank des immer unseligen zusammenspiels klerikaler & weltlicher irrer herrschender sowie der teils erzwungenen teils freiwilligen bereitschaft der beherrschten als basis eines gesellschaftlichen zusammenlebens durchgesetzt hat sei's drum hätte der kapitalismus nach dem zusammenbruch der kommunistischen systeme des ostblocks nicht die einmalige gelegenheit bekommen wirklich alle (ehemaligen alibi-)nischen ((kulturförderung: gefördert wird was auf dem "markt" bestehen kann )) zu besetzen man könnte darüber sogar lachen ((erinnert sei hier an das goldene zeitalter athens bedingt durch erste befreiungsansätze für den geist blütezeit der kultur vice versa etc. aber wer wollte je auch nur irgend etwas lernen gar kapieren)) ginge es einem nicht selber an den kragen (siehe: nischen/kapitalismus) mir wäre das alles verdammt egal wer sich unbedingt stunde um stunde von einer blödsinnigen tätigkeit des geistes berauben lassen will bitte schön wer nach getaner arbeit sich stunde um stunde von einer flimmerkiste mit blödsinnigen sendungen botschaften & nachrichten weiter in einen gedankenlosen dämmerschlaf wiegen lassen will auch bitte schön sollen sie weiter lebensversicherungen bausparverträge unfallversicherungen etc. abschliessen zweit-dritt-viertwägen eigentumswohnungen auf raten kaufen & sich sicher fühlen bis die nächste unternehmensfusion ansteht die nächsten zigtausenden auf die strasse geschickt werden dann fangen sie an zu demonstrieren leise larmoyant & lauschen lächerlichen kundgebungen urbi et orbi je grösser das leiden zu lebzeiten desto grösser die erlösung nach dem tod desto schöner das himmelreich wer sich das ausgedacht hat kann nicht mehr dicht gewesen sein wer das glaubt ist es nicht minder es braucht immer zwei damit ein system funktioniert ((profan)) die unterdrückungsmechanismen sind weder subtil schon gar nicht undurchschaubar im gegenteil & das lässt letztlich fast die komplette menschheitsgeschichte zu einer farce werden (kollege ernst petz: vielen dank für den hinweis - kafka der golem etc. - da war tatsächlich schon von anfang an der wurm drin in der geschichte der menschheit aber s.o. das goldene zeitalter athens die erste französische revolution die kubanische revolution na ja ein paar zaghafte(!) ansätze zur verbesserung gab's schon) von einem kollegen zum nächsten besser zu dem klappentext des buches tage ohne hosen von heinrich droege ein perverses arbeitsethos wurde im mittelalter formuliert und ist bis heute in unseren köpfen treibt uns an und zerstört die umwelt priester ökonomen moralisten haben die arbeit heilig gesprochen um die menschen zu beherrschen und mehr gewinn aus der arbeit anderer zu ziehen es geht darum nischen zu suchen sich zu entziehen zu verweigern auszehrender schinderei und irrem konsum besser & treffender kann man sich dazu nicht äussern aber wie gesagt (& zu beobachten) die nischen werden besetzt die verweigerung wird am ende nur noch eine rudimentäre geistige sein verknüpfung: arbeit freizeit freizeitkultur ((ein dermassen lächerlicher begriff dass man darauf sofort eine flasche navarra leeren sollte cheers)) freizeitparks freizeittouristen pauschaltouristen pauschaltrottel freizeittrottel wir werden wieder weltmeister alle vier jahre dienstleistungsgesellschaft die nächste flasche ist fällig fick deinen chef (oder deine chefin wir sind ja jetzt gleichberechtigt) same as it ever was (once in a lifetime talking heads) & dasz es nicht einmal reicht das führerprinzip derartig ins extrem getrieben zu haben & dasz sie den kleinen in den kindergärten immer noch den rauschebärtigen patriarchen mit seinem immer leidenden sohn vor die geistigen augen halten... & gelernt + gelehrt wird der gröbste unfug an den schulen hochschulen ((ausbildung zum fachidioten zur fachidiotin & wer will schon wissen dass sich die betriebswirtschaftlehre ursprünglich aus der sozialwissenschaft ableitet)) nur gerecht dass es bald studiengebühren gibt ((die sollten wirklich richtig hoch sein manch einen würde es vor dem schlimmsten bewahren))
weiter: ausgrenzung über eine begrifflichkeit arbeitsloser arbeitslose ((in frankreich haben die wenigstens ein luxusrestaurant überfallen & sich die beste gerichte & weine(!) servieren lassen)) hier besteht der grösste wunsch der zu arbeitslosen zwangsdefinierten doch bitte bitte wieder in lohn & brot zu kommen natürlich gerne auch bei vermindertem arbeitsschutz ((auch so ein begriff aua)) unbezahlten überstunden &sw. wiederholung: w = f x s permanent & eine ausgrenzung ist per se nicht möglich ((so man den verstand benutzt aber das muss man ja nicht & in 30 jahren gibt's rente da fängt dann das leben an wo es praktisch zu ende geht)) immerhin ist "das system" mittlerweile in der lage 5 millionen "arbeitslose" ohne grössere probleme verwalten zu können ((meint ohne strassenschlachten etc.)) vermutlich würden oder wird es das mit 10 oder 15 millionen auch noch schaffen ((fernseher fussball kasten bier dafür reicht die "sozial"hilfe "arbeitslosen"hilfe allemal)) dass die deppen im osten nicht nur eine grosse idee jämmerlich zu grabe getragen haben sondern dem gleichen behämmerten(!) arbeitsethos frönten wie die deppen im westen sei nur am rande erwähnt ((& wir waren mal wieder mit ganz herausragenden kapazitäten gesegnet adenauer ulbricht kohl honecker wie viel wein kann man trinken ohne ins koma zu fallen)) arbeit macht frei ((& wozu hat man eigentlich augen)) & immer gibt es die die meinen sie haben nur ihre pflicht ihre arbeit ((bezahlte arbeit!)) getan & immer gibt es die die das auch noch glauben sich vor sich selbst entschuldigen sich verzeihen schuld sind letztlich immer die anderen was hat auch ein zugführer mit den zusammengepferchten zwangsarbeitern todeskanditaten zu tun die er befördert (befördern muss) urbi et orbi ((vatikan: siehe auch die geschichte südamerikas in diesem jahrhundert klerikale + grossgrundbesitzer in so einhelliger allianz zur sicherung der weltlichen pfründe sollen die anderen schuften dabei auch gerne krepieren danach in diesem ominösen himmelreich geht es ihnen ja gut (wenn sie christen besser katholiken sind ansonsten sind's ja heiden die haben zu lebenzeiten nichts besseres verdient & dann geht's ins fegefeuer obwohl die jesuiten kürzlich festgestellt haben dass es keinen teufel gibt somit fällt auch die hölle flach wohin sollen jetzt eigentlich die heiden hicks))) & die arbeit die die immer gemeint haben & meinen macht tatsächlich frei frei von verstand & geist & gesundheit & führt immer in die völlige abhängigkeit des einzelnen von einem dem profit unterworfen system
((pathetischer)) epilog: natürlich ist nur der freie geist in der lage ungestört zu arbeiten ((sich also gänzlich zu entfalten)) seinem körper die nötigen handwerklichen tätigkeiten zu delegieren in einem gemeinschaftlichen zusammenspiel ergibt das eine jeglicher ideologie fernstehende freie gesellschaft ohne hierarchien aber dass es jemals viele freie geister geben wird steht mehr als zu bezweifeln ((eine schöne utopie ist's trotzdem))

in den frühen morgenstunden für eine weile in aller ruhe am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse roher schinken milde pepperoni gekochter schinken & zwei gläser orangensaft freitag siebter mai im schatten unter der palme auf der veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen

in den frühen morgenstunden für eine weile am strand & im wasser 20 meter von meinem appartement weg mit nassen haaren schlurfe ich danach barfuss zurück zum kühlschrank weissbrot ziegenkäse grüne oliven eine halbe kanne kaffee & ein glas rotwein samstag achter mai im schatten unter der palme auf meiner veranda lege ich die beine hoch eine zigarette ((fortuna)) zwischen den lippen

in den frühen morgenstunden...

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