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Jochen Groddeck

NIX FÜR UMSONST

11/2001

Es gibt sie wohl, die biologisch-soziale Komponente der Konkurrenz! Der Mensch an sich
und der Mann im Besonderen streben immer danach, besser dazustehen, als der Rest. Das ist
unser Erbe aus einer lebensfeindlichen Umwelt, der wir unser Überleben noch tatsächlich
abringen mussten:
Als wir von den Bäumen herunterkamen, gab es nichts "für umsonst".
Auch Frauen nicht.

Ein Mann kann (theoretisch) alle Frauen der Welt, wenn auch nicht beglücken, dann doch
wenigstens befruchten. Umgekehrt funktioniert das nicht. Denn bei ihren Eiern haben Frauen
auf Klasse gesetzt und nicht auf Masse (=Sperma).
Weil aber ein Mann alleine reicht, um (theoretisch) alle Eier der Welt zu befruchten, stehen
die Männer untereinander in Konkurrenz, denn Befruchten ist für einen Mann eine
Leichtigkeit.

Frauen konkurrieren aber auch. So ist es ja nun nicht.
Denn letztendlich sind alle Ressourcen der Welt... endlich.
Wenn wir sie gleich verteilen würden, hätten alle Menschen wenigstens vom materiellen
Aspekt aus genug, um gleichermaßen zu leben, um (theoretisch) gleich viele Kinder zu
zeugen....etc.
Wer wäre in solch einer Lage wohl besser dran, der ehrliche, der sich mit den Ressourcen,
die er hat, begnügt oder....???

So kamen die Lüge und der Diebstahl auf die Welt, denn wer geschickt (d.h. unbemerkt)
betrog, bekam mehr und sicherte seinen Genen das Überleben besser(!).
Mann (oder Frau) sorgte dafür, daß man selbst etwas "für umsonst" bekam, auch wenn das
natürlich auf Kosten der anderen ging, der "genetische Effekt" wurde so nur verstärkt:
"Mehr für mich" hieß "weniger für die anderen", wodurch die dann noch mehr Probleme mit
der Aufzucht hatten, und meine Aufzucht weniger Konkurrenz!
Daß auch Affen (die Menschenvorfahren-Äquivalente) tatsächlich lügen, ist nachgewiesen.

Aber nur, wer sich NICHT erwischen lässt, wird von der Evolution begünstigt.
Wer zu doof ist, sich erwischen zu lassen, muss Konsequenzen tragen und die vermindern im
Allgemeinen die Fitness des Delinquenten, nämlich die Möglichkeit Kinder großzuziehen, die
dann die gleichen bzw. ähnlichen Gene wie man selbst haben könnten.
Um also im großen Stil betrügen und sich selbst das größte Stück der Torte sichern zu können
(und das, ohne daß es jemand mitbekommen kann), erfand der Mensch irgendwann einmal die
"Börse".

Wenn irgendjemand Gewinne an der Börse macht, macht irgendwer anderes Verluste.

Letztlich beruht auch unser (ich meine uns nicht-Börsianer) tägliches Leben darauf, dass
irgendwer für weniger Geld arbeitet. Wer will hierzulande schon mehr als einen halben Euro
für Schoki zahlen?
Das trotzdem ständig die Preise teurer werden, liegt aber mit ziemlicher Sicherheit NICHT
daran, dass sich nicaraguanische Kakaofarmer plötzlich einen Roll´s Royce leisten können.
Hand auf´s Herz:
Wer zahlt nicht lieber die Hälfte für egal was, wenn er/sie dafür trotzdem die selbe oder
annähernd selbe Qualität bekommt?
In Korea stirbt dafür dann ein Kind am Hunger und an der Börse säuft jemand Champagner.
Dies ist zugegebener Maßen etwas vereinfacht dargestellt.
Aber es ändert nichts am Prinzip:
Entsteht hier Zuwachs, ist dort Abbau.

Geld lässt sich nicht, genauso wenig wie Materie, aus dem Nichts erschaffen.
Selbst beim Optionenhandel und anderen Luftgeschäften ist eine Minimalität an Monete
"dahinter", meistens ist es die Arbeitskraft von Arbeitnehmern.
Wo buchstäblich "nichts" dahinter ist, wittern selbst die Börsen Betrug.
Schließlich muss dieses System vor dem Zusammensturz bewahrt werden.
Es würde sonst ihnen (und vielen anderen!) die Grundlage entreissen, mit der sie mit geringst
möglichem Aufwand Geld verdienen können.
Sicherlich ist ein Börsianer ein hart arbeitender Mensch!
Müsste er seinen Reichtum aber in Basis-Arbeitsäquivalenten selbst bezahlen, wären hundert
Jahre Lebenszeit für ihn nicht genug. Er müsste Tag und Nacht schuften, ohne schlafen, ohne
essen, wie ein Sklave eben.
Die Behauptung aber, dass die Börse allen dient und armen Menschen die Möglichkeit gibt,
an Start-Kapital zu gelangen, ist schlichtweg lächerlich.
Nichts ist umsonst!
Wo sind die Sicherheiten???

Geringst möglicher Aufwand, das ist leider auch so eine angeborene Komponente.
Und Bequemlichkeit und Geld, das ist, zusammengenommen, das schlimmste auf der Welt.

Kommen wir zum Problem der Männer:
Männer konkurrieren untereinander um die Gunst der Frauen.
Welcher Mann ist der Beste, um deine Kinder aufzuziehen? Dicke Muskeln sind ein gutes
Indiz dafür, dass der Typ tierisch ackern (arbeiten) kann. Ein Benz zeigt das auch.
Der Unterschied zwischen Muskeln und Statussymbol ist folgender:
1 - Muskeln sind einfach nur Muskeln, ob der Typ aber auch etwas für seine Kinder tut, sieht
frau den Muskeln nicht an,
ein Statussymbol hingegen verspricht mindestens(!) Muskeln, und es ist schon ein Beweis für
getane Arbeit.
2 - Muskeln sind ehrlich. Einem Statussymbol sieht man es jedoch nicht an, ob es ehrlich oder
anders erwirtschaftet wurde. Welcher Mann würde da nicht nach Status streben?

Auch hier gilt (unglücklicherweise) wer mit weniger Aufwand denselben Status erreicht, ist
gegenüber seinen Konkurrenten im Vorteil!

Auch heute scheint es so, als würde man nichts für umsonst bekommen.
Warum eigentlich?
Sollte uns nicht der zivilisatorische Ansatz, so wie das Penicillin,
aus den Klauen der genetischen Selektion durch das survival of the fittest entrissen haben?
Ganz im Gegenteil dazu macht der Wirtschaftsliberalismus keinen Hehl daraus, dass es ihm
genau darum geht: um das Überleben des Stärkeren, der Große frisst den Kleinen.
Die pure Lehre ist eine grausame.
Eine "feindliche Übernahme" ist ein harscher Begriff, aber niemand auf der großen Welt der
Wirtschaft scheint sich wirklich daran zu stören. Das zeigt doch, wes Geistes diese Kinder
sind.
Noch einmal zum 11. September:
Es soll sich zugetragen haben, dass ein Broker in einer nahegelegen Kneipe sich seinen Frust
von der Seele wegsoff und lautstark nach 10.000$-Nutten rief, weil er ein Recht darauf habe,
genauso, wie auf jeden Tag Champagnersaufen.
Soso.

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