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Peter Licht: Wir werden siegen -
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Drei Strassen in Texten.
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Alexander Kunz
Warwick Collins - "Herren"
Verlag Antje Kunstmann, München 2000

Der Verlag von Antje Kunstmann ist ja an sich nicht unbedingt die schlechteste Adresse wenn es um hierzulande eher unbekannte Autoren geht. So gab es dort letztes Jahr das grandiose Buch des Chilenen Roberto Bolano "Stern in der Ferne" zu entdecken, der Versuch, das Wesen eines kryptofaschistischen Serienmörders im Speziellen und die Ästhetik des Schreckens im Allgemeinen zu ergründen.
Hier nun liegt ein Buch vor, welches viel verspricht, aber wenig hält. Der südafrikanische Autor Warwick Collins lässt seinen Roman, der eher eine Erzählung ist, an einem Ort spielen, der nicht allzu oft im Mittelpunkt schriftstellerischer Werke steht: an einer öffentlichen Herrentoilette in London. Die Hauptfiguren bilden das Personal des Herrenklos: die Jamaikaner Ez, Reynolds und Jason. Gelegentlich lernen wir die soziale Situation der Protagonisten darüber hinaus kennen, vor allem dann, wenn Ez nach Feierabend Trost bei seiner Familie sucht, denn Ez plagt ein Problem, welches das Sujet dieses Romans ist. Die besagte Herrentoilette ist ein angesagter Treffpunkt für Schwule, die bei den drei Schwarzen auf manifesten Ekel treffen. Bei Ez kommt der Haß auf "Whiteys" noch dazu, denn farbige Schwule scheint es in dieser Romanwelt nicht zu geben, und - als wär das noch nicht genug - sein Sohn will Friseur werden, auch dies plagt Ez (auf welche sich aufdrängende Assoziation des Berufsbildes "Friseur" hier verwiesen wird, wenn auch nicht explizit, brauche ich dabei wohl nicht zu erklären).
Das eigentliche Problem des Buches aber ist folgendes: Warwick Collins vermag es nicht einmal ansatzweise über bloße Skizzen hinauszukommen. Es hätte ein wirklich guter Roman oder noch besser eine schöne Novelle ergeben können, nimmt man den Ausgangspunkt "Herrentoilette und drei männliche Kloputzer". Doch dieses Buch ist strenggenommen Nichts, es kann sich noch nicht einmal für ein naheliegendes Klischee entscheiden, sagen wir eine multikulturelle Sozialromanze, oder von mir aus auch ein beckettsches Stück Ödnis und Elend. Es changiert auch nicht zwischen diesen Polen, sondern befindet sich im reinen literarischen Niemandsland. Warum? Weil der Autor es einfach nicht versteht eine realistische Schreibweise zu entwickeln, die einen Effekt auf den Leser hat. Ich halte realistisches Erzählen eh für ein schwieriges Terrain, weil es i.d.R. nichts bleibendes hinterlässt, selbst Houellebecq ist an diesem Schreiben gescheitert. Aber hier ist ja nicht einmal die kleinste Stelle zu finden, die darauf hinweist, dass da lebendige Menschen zugange sind, weder in der Kommunikation, noch in ihrem ich sag jetzt mal Seelenleben. Wirklich schade, denn die Kurzform der Erzählung hätte sich zumindest einen der Protagonisten vornehmen können, um darauf hin eine psychologische Linie zu zeichnen, die den Leser ab einem bestimmten Punkt nicht mehr losgelassen hätte. Doch hier: kein Spannungsaufbau, ein Buch ohne Anfang und ohne Ende und hier fällt mir wieder dieses Wort ein: Nichts. Als Drehbuch könnte dieses...ähm, Ding noch durchgehen, doch ich weiß nicht, ob in einer filmischen Umsetzung dann eine Replik von Ez´ Frau auf sein Problem mit Schwulen ("Jeder ist anders....Die einen sind so, die andern so.") wirklich besser rüberkommen würde als bei der Lektüre, also anders als banal-nichtssagend (mal ganz abgesehen davon, dass hier Schwulsein - man glaubt es kaum - als Problem unter den vermeintlich homophoben Jamaikanern verhandelt wird). Daß eine knappe, spartanische Prosa durchaus ihren Wert haben kann, in dem Sinne, dass dann über den lesbaren Text hinaus etwas mittransportiert wird, dafür gibt es genug Beispiele, einer dafür wäre Andrej Kurkows "Picknick auf dem Eis", der souverän und feinfühlig geschrieben ist (aber letztlich auch nicht mehr als "nette Unterhaltung" bietet). Einfachheit kann aber auch farblos bis zum letzten sein (also noch nicht einmal grau). Dies ist hier der Fall.

Alexander Kunz

Warwick Collins- "Herren", Roman, Verlag Antje Kunstmann, München 2000, 28,-- DM

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