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besten Bücher 2003 Olaf Karnik
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Philip Grabinski DAS MECHANISCHE KLAVIER O, wer hätte das zu hoffen gewagt, aber schließlich stand der letzte Roman von Gaddis noch aus, und nun liegt er endlich übersetzt vor. Über 50 Jahre lang soll Gaddis für diesen Roman gesammelt haben, und herausgekommen sind 124 Seiten. Das nenne ich wahre Meisterschaft, und dennoch liest sich "Das mechanische Klavier" nicht wie ein unendlich verdichtetes Exzerpt. Im Gegenteil. In Bernhardscher Manier monologisiert da einer absatzlos vor sich hin, als säße er im Kalkwerk. Diese Verbindung stellt der Erzähler selbst her, ja er wirft Bernhard sogar vor, von ihm geklaut zu haben. Schöne Idee. Eine tiefe Verbeugung vor Bernhard. Und so schimpft der Alte in seiner Agonie auf seinem Krankenbett weiter. Schimpft auf den Ausverkauf der Kunst, auf die Trivialität der Masse, und an allem Schuld ist das mechanische Klavier, das im 19. Jahrhundert diesen Untergang erst ermöglichte. Schließlich konnte sich jetzt jeder noch so Untalentierte ans Piano setzen und seine Verwandtschaft mit der gesamten Klassik einmal rauf und runter beglücken. Von Platon bis Benjamin wird da alles aufgefahren, was gegen die Reproduzierbarkeit der Kunst spricht. Dabei wühlt der Alte ständig in seinem Bett herum, sucht Unterlagen, stößt auf mysteriöse Blutflecken, findet längst Vergessenes wieder und spinnt seinen Faden neu weiter. Man meint in dem Alten sowohl den wild prozessierenden Oscar J. Crease aus "Letzte Instanz" oder den in seinem vermüllten Appartment schreibenden Thomas Eigen aus "JR" wieder zu treffen. Die Ordnung in der totalen Unordnung, Entropie, das alles zieht sich durch Gaddis' gesamtes Werk und findet im "Mechanischen Klavier" seinen würdigen Abschluß. Eine Abrechnung mit der Kultur ohne verkopftes Intellektuellengekröse. Mr Gaddis, wir danken Ihnen. William Gaddis, "Das mechanische Klavier", Manhattan, 2003
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