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besten Bücher 2003 Olaf Karnik
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Ingo Jacobs "DU
KOCHTEST MIR EINE SUPPE AUS DEM SCHWEIß VON ZINEDINE ZIDANE" Eigentlich sollte ich ja schon seit Wochen für ein kleines Online-Fußballmagazin die erste Ausgabe einer lustigen Kolumne verfasst haben. Aber bisher bin ich nicht dazu gekommen. Habe ich jedenfalls den Kolumnen-Gläubigern gegenüber eine Weile lang behauptet - um schließlich ergänzend zu berichtigen: Ich gucke ja gerne Fußball, spiele es gerne auf der PS2, verfolge die Bundesliga so gut es geht, besuche an und ab Kneipen, um dort 'Premiere' zu schnorren und hin und wieder gehe ich sogar in Köln ins Stadion, um mich vom FC frustrieren zu lassen - aber von Fussball verstehe ich einfach zu wenig, um ernsthaft den Anspruch erheben zu dürfen, dazu gar meinen ureigenen Sermon abzulassen. Das wäre ja wie Urinieren. Sorry. Zugegeben: So ausführlich war meine Verteidigungsrede dann doch nicht. Aber in der Tendenz kommt's hin. Nun gut, an dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit will ich vorab die Wahrheit beichten: Als heranwachsender Jugendlicher habe ich eine Zeit lang bei uns Zuhause im Dorfverein gekickt, beim königlichen Fußball-Club nämlich, wegen des wallonischen Verbandes Royal Football-Club, kurz RFC Sankt Vith genannt. Ich kann nicht behaupten, je eine fußballerische Leuchte gewesen zu sein - aber das habe ich meines Wissens nach auch nie getan. Ich war ein solider Abwehrspieler, mit guter Tackling-Technik, rote Karten gab es trotzdem einige. Mein größtes Manko war: Die Angst. Die Angst, den Rasen zu betreten. Die Angst vorm Anpfiff. Die Angst vorm einen Kopf größeren Mittelstürmer, den ich zu decken hatte. M.a.W.: Ich hatte zu viel Scheiße in der Hose, um ein wirklich nützliches Mitglied der heimischen Jugendelf zu werden. Die verdrängte Fußballspielerscham ist also groß und dementsprechend habe ich mich also auch gefragt, ob ich überhaupt die Berechtigung besitze, über Fußballgedichte zu schreiben. Gott sei Dank fiel mir während meiner Abwägungsphase aber ein, dass ich ja mal einen Haufen Gedichte geschrieben und auch veröffentlicht habe. Also wird es gehen! Nicht ohne das obligatorische "Die Literatur hatte ja schon immer eine interessante Beziehung zum Fußballerischen", das ich allerdings in nur wenigen Sätzen abzuschließen beabsichtige: Ror Wolf kommt mir da in den Sinn, natürlich der unvermeidbare Handke und so könnte das jetzt mit einer Aufzählung weitergehen, doch ich frage: Wozu? Es gibt ja auch Gedichte über's Scheißen ("Scheißen und Brunsten / sind Kunsten"), welche über's Autofahren ("Fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn") und sogar welche über Lampen ("Noch unverrückt, o schöne Lampe"). Warum also nicht über Fußball? Nun ja, schick wenn nicht gar schicklich geworden ist es ja schon: Das liegt vermutlich daran, dass wir mitten in einer Haupt- gewordenen Pop-Kultur leben. Also hat man sich damit zu beschäftigen, als Dichter. So zuletzt auch in 11 Gedichten, veröffentlicht in der bibliophilen Kölner parasitenpresse, unter dem Titel "Bier & Schläge" nämlich. 11 Autoren haben dazu bei Herausgeber Stan Lafleur ihren besten Word-Kick in Sachen Fußball-Lyrik abgeliefert. Wie der Titel schon andeutet: Hier geht's teilweise eher um den grobmotorischen Aspekt des Spieles: "blutige schädel / zwischen den berittenen jungs / mit den knüppeln", "münchen 60 vergraulte fans", "Breit breit breit sind die Tore / Breit breit breit sind auch wir", so tönen zumindest die Sackträger unter den Autoren. Bei den beiden dort vertretenen Gebärwerkzeug-Inhaberinnen geht's da schon etwas zivilisierter zu. Im übrigen stammt von einer Autorin, Nikola Richter, auch das Gedicht, das mir von den Elfen am besten gefällt. Es heißt "Abseits", und bald hätte ich geschrieben: "Natürlich heißt es 'Abseits'". Nun ja. Viel mehr sollte ich nicht verraten, denn es sind ja nur wenige Gedichte. Vermutlich habe ich für diese Besprechung eh schon mehr Zeichen gebraucht, als das schmale Bändchen umfasst. Wie sagt man da? "Schade, aber toll!" Lafleur, Stan; Kasnitz, Adrian (hrsg.): Bier & Schläge. Fußballgedichte, parasitenpresse, Köln, 2003, 11 Seiten http://parasitenpresse.kulturserver-nrw.de
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