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Corinne Schneider

Hernach

Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth mit Nachschriften von Ursula
Ziebarth und einem Kommentar von Jochen Meyer
Wallstein Verlag, Göttingen 2001. 504 S., geb., 68,00 DM

Darf sie oder darf sie nicht?

In diesem Herbst sind abermals Briefe Gottfried Benns, diesmal an seine Geliebte seiner letzten Lebensjahre, Briefe an Ursula Ziebarth erschienen. Ursula Ziebarth, mittlerweile 80, damals 30 Jahre alt, hat alle 252 Briefe, die sie zwischen dem 1954 und 1956 erhielt, sorgsam aufbewahrt. Die posthume Veröffentlichung solcher privaten Dokumente ist ja eigentlich
nichts besonderes mehr, heißt es doch, das sie bedeutende ergänzende Einblicke in die Schaffensprozesse von Schriftstellern, Wissenschaftlern oder Künstlern vermitteln können. Tiefsitzendes Interesse an Privatem wird mit erweiterter wissenschaftlicher Forschung vortrefflich vereinbart. Doch dieses Mal ist alles anders. Zum einen sind diese Briefe von privatester Offenheit "Geliebtes Ponnychen! ... Dein Pummi". Sie sind so schonungslos gegen eine posthume Öffentlichkeit und auch gegen sich selbst, das Klaus Theweleit manche Schlüssellochofferte lieber nicht angeblickt hätte. Benn wollte Dingen entkommen, in die er mittlerweile geraten war: "Erstarrung, Müdigkeit, Fettwerden, Ranzigwerden". Theweleit wollte Briefe an einen von Benns "Anschreibpol" lesen. Dieser Status schien Ursula Ziebarth nur am Rande interessiert zu haben. Zum anderen aber kommt zum angeschriebenen Umriß der Geliebten eine wahre Person aus Fleisch und Blut hinzu. Ursula Ziebarth hat sich nämlich nicht damit zufriedengegeben, Benns Briefe in zarten Fußnoten zu ergänzen, sondern sie hat "sich selbst ein Denkmal gesetzt"(Theweleit), indem sie zu den Briefinhalten persönlich Stellung bezogen hat. So streitet sie oft ab so etwas "Törichtes je gesagt zu haben" und fügt hinzu, was sie anstelle dessen zu verstehen gegeben hat, doch das hat einige Literaturkritiker gegen sie aufgebracht. Sollte denn das literarische Wesen, die literarische Schöpfung immer losgelöst vom tatsächlichen Menschen bleiben? Sie hat es gewagt sich in Augenhöhe in der Auseinandersetzung mit dem von ihr hochgeschätzten Verstorbenen darzustellen. Hätte sie sich allen, die Benns Briefe lesen, als Benns Bild von ihr dargestellt, sie hätte sich eingereiht in den Reigen der unzähligen jungen Geliebten, die mit ihrer Libido einen in Briefen ausreichend gewürdigten Beitrag zur Schaffenskraft ihres Geliebten geleistet haben. "Hernach" ist ein Angebot. Niemand muß lesen was Ursula Ziebarth geschrieben hat. Wer will kann sich ihre Position anschauen. Wer will, kann sich einfach mit Gottfried Benns Briefen der Reihe nach beschäftigen. Wer will kann Benns Bild von Ursula Ziebarth lesen und sich ein Bild von Benn machen. Wer will kann sich über Ursula Ziebarth ein Bild von Gottfried Benn und diese Verbindung machen. Wer Ursula Ziebarths Repliken, Richtigstellungen und Vermutungen liest, erfährt mehr über sie, als Gottfried Benn von ihr zu sehen schien. Wenn er sie angesehen hätte, wie sie jetzt anbietet gesehen zu werden, wären es noch die gleichen Briefe? Das Spannende und zugleich Traurige an Benns Briefen ist, das er mit seiner Chiffre korrespondiert. Er richtet die Briefe an sein Bild von ihr. Umso schöner ist es, das die Angeschriebene sich selbst zu Wort meldet. Wir werden Zeugen des Heraustretens einer Persönlichkeit aus dem Bewußtsein Gottfried Benns. Sie klärt im Nachhinein auf, zeigt sich, wie sie sich sieht
und verhehlt doch nie, was ihr Benn bedeutet hat. Sie rechnet nicht ab mit ihm, sie reflektiert ausführlich über ihre Beziehung, zu der Benn sich nie öffentlich bekannte; es gab manche Diskussion darüber, sich sobald andere dabei waren, ausschließlich zu siezen. Ursula Ziebarth mißfiel diese Rolle, dennoch wollte sie nicht wirklich mit Benn leben. Hernach handelt auch von der Unmöglichkeit bestimmte Beziehungen mit gängigen Schemata zu erfassen. Es ist eine traurige Liebesgeschichte, die sich nur innerhalb ihres eigenen engen Rahmens neben Benns bestehender Ehe, die er auch aufrechterhalten wollte, entfalten konnte. Aber sie handelt eben auch davon, das Unmögliches möglich war.