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kasnitz Adrian Kasnitz Die
besten Bücher 2003 Olaf Karnik
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Olaf Karnik WIR WERDEN SIEGEN! BUCH VOM ENDE DES KAPITALISMUS Ende des Kapitalismus? Peter Licht winkt mit einem Slogan, der provoziert. Denn dass es keine Alternative mehr zum Kapitalismus gebe, scheint heute wie ein Naturgesetz festgeschrieben zu sein. Dazu Licht: "Ich finde eben, man kann das auch mal in Frage stellen und sich mal wirklich Gedanken machen, ob das so ist. Und ich finde, dass für mich spürbar war und ist, dass irgendwas endet. So, der Begriff Ende. Und ich hab das eben auf den Kapitalismus bezogen, und, ja, vielleicht ist es ja ganz anders. Man hat ja in der letzten Zeit schon erlebt, dass sich ne Menge ändert, und vielleicht ändert sich auch das mal." Wer nun von Licht erhellende ökonomische Analysen, politische Theorien oder gar Klassenkampf-Parolen erwartet, liegt falsch. Sein "Buch vom Ende des Kapitalismus" versteht sich eher als poetisches "Journal der Gegenwart". Es beinhaltet Gedichte und Geschichten, tagebuchartige Aufzeichnungen und Traumbilder, Aphorismen und Listen, Zeichnungen und natürlich auch die Songtexte seiner parallel auf CD veröffentlichten "Lieder vom Ende des Kapitalismus". Eine Sammlung von Fragmenten, die weniger durch das übergeordnete Thema zusammen gehalten wird, als durch eine ästhetische Struktur: die Abwechlung verschiedener Textsorten, Bilder und typographischer Elemente. So entsteht fast der Eindruck einer Galerie auf Buchseiten. Man kann sie von allen Seiten betreten, und manchmal trifft man dabei auch auf Poesie: Wintereinbruch im Sommer Es schließt
sich Peter Lichts
Texte wirken oft wie Nachrichten aus einer eigenen Welt - kryptisch,
surreal, romantisch, skurril. Dennoch schwingen sie sich immer wieder
zu einem Wir auf - als ginge es dem Autor darum, dass Verhältnis
von Kollektiv und Individuum im Herzen und in den Randzonen einer endlos
ausdifferenzierten Gesellschaft auszuloten. Es sind immaterielle Dinge,
die dabei eine wesentliche Rolle spielen: Wind, Licht, Tag und Nacht,
die Jahreszeiten. Oder Naturphänomene wie Sterne, Bäume, Seen,
Gebirge. Nicht zuletzt Gegenstände, Orte, Räume, deren Befindlichkeiten
geprüft werden. Wer nichts hat oder haben will, so könnte
man meinen, dem verbleiben nach dem geprobten "Ende des Kapitalismus"
nur noch Ansichten, Ambienten und Atmosphären - das nackte Leben
als Utopie? Die Belgier Die Belgier
haben gedrechselte Füße aus Holz. Die Füße sind
zylinderförmig, etwa so wie von Kommoden oder Schränken. Die
Körper der Belgier bestehen zu gewissen Teilen aus Altmöbeln,
die aber noch ganz gut in Schuss sind und ganz passabel ausschaun. Als selbsterklärter
Chronist seiner Zeit weiß Peter Licht um die begrenzte Haltbarkeit
seiner Wahrnehmungs- und Nachspürpoesie - eine Einsicht, die er
für seine Lieder produktiv macht. Bis auf die popsongtypische Wiederholungsstruktur
unterscheiden die sich auch gar nicht so sehr von seiner fragmentarischen
Literatur, die übrigens von den Münchner Kammerspielen auch
als Bühnenversion aufgeführt wird. Ein medienübergreifender
Pop-Anatz wird hier deutlich, was in heutigen Zeiten allerdings nichts
besonderes mehr ist. Insgesamt vertraut Lichts "Buch vom Ende des
Kapitalismus" viel zu sehr auf die saloppe Provokation, die vom
Titel ausgeht. Einigen Liedern und Texten gelingt es, aus subjektiven
Eindrücken allgemeingültige Wahrheiten heraus zu kristallisieren,
doch allzu oft verlässt sich Licht bloß auf die Strahlkraft
einzelner Worte oder Formulierungen. Als typisches Kennzeichen von Pop
überwiegt bei Licht noch die literarische Geste - auch wenn der
Autor ganz andere Bezüge stark macht: "Man kann ja gar nicht
anders, als dass man von den Dingen beeinflusst wird, die einen einfach
umgeben. Und da gehören Popmusik und Pop Art, das gehört natürlich
alles dazu. Aber eigentlich würde ich mich viel eher auf das 19.
Jahrhundert beziehen oder noch davor - das Lied und solche Dinge. Aber
da bin ich jetzt auch nicht explizit unterwegs, dass ich sagen würde,
ich möchte jetzt die Romantik nachstellen in der heutigen Zeit,
überhaupt nicht. Aber das ist mir eigentlich näher. Das hat
eine größere Wärme für mich als die Vorstellung
von Andy Warhol oder sowas." Peter Licht: Wir werden siegen! Buch vom Ende des Kapitalismus. 160 Seiten, Paperback. Blumenbar Verlag, München 2006. Preis: € 14,- |