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Alexander Kunz
Catherine Millet
Alexander Kunz
Kirchhoff / Meinecke
Alexander Kunz
Roland Koch in der KHG
Corinne Schneider
Und das Subjekt existiert doch -
Ein Claude-Simon-Abend
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Alexander
Kunz :
BODO KIRCHHOFF
/ STADTBÜCHEREI
THOMAS MEINECKE / LITERATURHAUS
Also dieses
mal galt es zwei alte Achtziger-Vertreter auszutesten verbunden mit der
Frage, ob da Veteranen zugange sind, oder - ich will jetzt nicht sagen
Junggebliebene, bäh - sondern eher 80er-Sozialisierte, die die Zeichen
der Jetzt-Zeit (gemeint ist nicht die schreckliche Beilage der SZ) verstanden
haben. Also so wie ich, denn ich bin ja auch 80er-geprägt, war eine
schöne Zeit damals und das 80er-Revival momentan gefällt mir
auch immer mehr mehr als gut. Nach reiflicher Überlegung bekenne
ich mich nun als radikaler Vertreter der 80er-Ästhetik. So viel dazu.
Zuerst war ich bei Bodo Kirchhoff, von dem ich noch nie ein Buch gelesen
habe. Wurde da eher mit hingeschleppt von einem Freund, der früher,
also eben in der besagten glorreichen und aufregenden Zeit (Florian Illies
eat your heart out!) was gelesen hat und das alles ganz toll fand, angefangen
mit Kirchhoffs doch sehr gutaussehendem Gesicht auf den von uns allen
geliebten sachlichen Suhrkamp-Taschenbüchern. Bei mir hingegen hat
sich der Name Kirchhoff eher unter dem Bewusstsein festgesetzt, ein Name
also wie sagen wir Peter Bömmels oder Martin Kippenberger oder Hans
Keller, um nur ein paar weitere zu nennen. Also durchaus positiv besetzt
und mit einem gewissen intellektuellem Hedonismus in Verbindung gebracht.
Aber eben doch etwas weniger als die eben genannten, da nur über
ihn etwas erfahren/gelesen/in anderen Zusammenhängen mitbekommen.
Leider aber alles eben nur über ein paar Ecken, weshalb ich eben
auch nicht verifizieren konnte ob diese 80er-Coolness, die Kirchhoff angeblich
mit sich herrumtrug einer eher bieder wirkenden Uni-Dozenten-Aura gewichen
ist, die auch ich feststellen konnte.
Um es kurz zu machen: das einzige was ich zur Beurteilung des Kirchhoffs
vor mir hatte war eben diese Lesung, die passenderweise im 80er-Grau-Bau
der Kölner Zentralbücherei stattfand. Die Ausschnitte, die Kirchhoff
aus seinem neuen Werk vortrug waren eher langweilig, denkbar ungeeignet
für eine Lesung, wirkte alles zu abgeklärt und behäbig.
Doch auch wenn ich selbst diese Vergleichsmöglichkeit nicht habe,
erschien mir das Angewidertsein meines Kumpanen nach der Lesung doch plausibel,
festgemacht an dem Titel von Kirchhoffs neuem Buch, das da heißt
"Parlando" und das klingt ja nun wirklich nach einer ZDF-Kultursendung
der muffigsten Sorte. Der Titel seiner letzten Veröffentlichung ging
wohl auch schon in dieses Bildungsbürgerlich-Schöngeistige,
während frühe Werke von ihm tatsächlich so ansprechende
Titel wie "Bodybuilding" trugen und genau dieses thematisierten.
Tja, heute befindet sich der einst körperversessene Kirchhoff doch
allem Anschein nach in der Martin Walser/Dieter Wellershoff-Ecke, also
da wo gealterte Typen versuchen, den Flaubert oder den Fontane von heute
zu machen. Mag sein, dass so was gut zu lesen ist und möglicherweise
auch stilsicher, doch es bleibt Trivial-Literatur für die oberen
Zehntausend.
Nach der Lesung ergriff der Moderator das Wort, was an sich immer nett
ist, da einem so die zigmal durchgekauten Standardfragen besonders ambitionierter
Zuhörer erspart bleiben. Kirchhoff ließ sich gerne in sein
Privatleben hineinfragen und gab bereitwillig jedes autobiographisch gefärbte
Verschulden seines neuesten Elaborats zu.
Bei Thomas
Meinecke gingen die Fragen des von mir hochgeschätzten Literaturhaus-Moderators
Thomas Böhm nicht direkt nach hinten los, verfehlten aber dennoch
ihr Ziel. Die fragen die erkunden wollten, wo denn persönliche Motive
für Meineckes neuen Cultural Studies-Roman stecken könnten,
konnten von dem verblüfften Thomas Meinecke nicht befriedigend beantwortet
werden. War aber klar, wieso sollte man auch etwas, was auf der Abstraktionsebene
entwurfen worde und eben eine so tolle Schreibe wie die von Thomas Meinecke
generiert, auf das Private rückführen, auf Interessen, Anliegen
usw.. Nee, nee, nee, das ist doch eher ein schönes Produkt dessen,
was aus dem Pop-Intellektuellentum der frühen Achtziger entstanden
ist, ein selbstreferientelles Meisterwerk der Diskursverliebtheit. Und
auch ein Loblied auf die auf dieser Bühne auftretenden Figuren. So
wirkte dann die Stelle, an der Meinecke vorlas, wie schade es doch sei,
daß Diederichsen die Atmosphäre der beschriebenen Party nicht
miterleben könne, nicht peinlich, sondern folgerichtig der Person
Ehre erweisend, die diese Mischung aus Hedonismus und (Pop-)Theorie zu
verdanken ist. Ähnliche Stellen laß man ja zuletzt auch bei
Rainald Goetz, der sich von diesem Ursprung dann aber doch immer wieder
dezidiert abgrenzt, indem er auf so Pflaumen wie Barre und ähnliche
verweist.
Was aber machte die Lesung von Meinecke so unterhaltsam? Keine Frage,
es war das angeberische Namedropping und dies ist bekanntermaßen
eine Technik, die im Verlauf der Achtziger entwickelt wurde und dessen
schillernster Vertreter Diedrich Diederichsen war. Also nicht nur Namedropping
um des Angebens willens, sondern als lehrreiches und stilprägendes
Element der postmodernen Aufklärung. Man sollte in diesen Fluß
der Namen und Stile hineinsteigen und nicht versuchen, ihn zu sezieren.
Vielleicht kann man dies machen - als Leser - im nachhinein, so als Nacharbeiten/Verarbeiten
der Lektüre - als Detailfragen an den Autoren Meinecke gerichtet
schien dies jedoch nur ein erstauntes "Echt? Ist mir gar nicht so
aufgefallen" hervorzurufen.
(Zwischen den vorgelesenen Abschnitten gabs musikalische Cannapees von
CDs, alles von Künstlern, die bei Meinecke auftauchen: Kelis, Mariah
Carey, Theo Parrish auch, glaub ich).
Alexander
Kunz
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