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Roundabout August III : pop

*Ingo Jacobs: Nach den Mythen, 29.08.01

nach der mythendiskussion möchte ich anfangen, ein vorhaben zu präsentieren, das sowohl poetologisches als auch die texte dazu beinhalten soll. als ich letztens in "SOUND SIGNATURES. popsplitter" herumgelesen habe, ist mir aufgefallen, wie sehr ich - trotz allem grumpfs und umpfs - auf der seite sogenannter popliterarischer ansätze stehe. vielleicht ist es nur der ausspruch meiner großmutter, an den ich mich erinnere, die angesichts meiner frühen spaßmontage-gedichte (mit denen sie natürlich nichts anfangen konnte) lapidar meinte: "jung, du musst nicht so akademisch schreiben, sonst verkaufst du nichts".
ja. haha. sie hatte einen guten tag, denn sie hatte brav ihre anti-paranoidika gegessen. natürlich ist es die beschäftigung mit brinkmann, goetz und den neuen popliteraten, die die frage aufruft: wie hätte 2001 ein gutes popgedicht auszusehen?

einschub: der text in "sound signatures" führte jede menge feuilleton-kritik an "the buch" an: schrott, schnipsel, geschreibsel, belanglos etc. als kämen die argumente für eine fragmentierte schreibweise erst aus einem erschreckenden plötzlich; das bürgerliche feuilleton sucht noch immer nach der literarischen killer-applikation?

folgende überlegungen:
- es ist nicht nötig / möglich, pop als differenz / distinktion aufzubauschen (bvsb als dandy im spiegel): pop hat gesiegt, ist hegemonial (mainstream)
- trotzdem sollte popliteratur eine strategie verfolgen, einen plan haben (ein bewußtsein dafür haben, dass antiideologie auch eine ideologie ist)
- eine reflektion vom subjekt übers subjektive ist gewünscht: gegen die ausschaltung einer innenbetrachtung im sinne einer notwendigen empfindlichkeit für die durch popoberflächen (werbeplakat, tv-screen, radio, internet, allgemeine alltagslebensbedingungen etc.) entstehenden gefühle
- schwieriger punkt: sprachlicher gegenentwurf? da der text nicht hermetisch / symbolisch / allzu metaphernreich-eigenbrötlerisch sein darf, um selbst als oberfläche (mit blinkenden brüchen) zu fungieren, kann diese funktion wohl kaum übernommen werden...
- pop darf politisch sein (ich ziehe wieder die zoon-politikon-karte: eine äußerung ist per se politisch); wenn diedrichsen mal konstatierte, dass der begriff pop mittlerweile "den allgemeinen kulturellen Zusammenhalt" verankere (eine enorme überschätzung), dann wäre die konsequenz für die poppoetologie, dass sie gesellschaftliche differenzen zeigt; die werden nämlich von den popoberflächen nivelliert oder wegignoriert
- pop ist eine "kleine literatur".

gedicht:
der kronprinz von norwegen

der kronprinz von norwegen
hat geheiratet. ich habe es
gesehen! er trug

einen hut und hat gelächelt.
seine frau ist glücklich,
auch, jetzt da das

ganze land dabei zugesehen
hat. "bei gott", rief eine
von mir imaginierte

fünfzigjährige frau am straßen
rand, als die beiden die
kirche verließen,

das ich das noch erleben darf!
das dürfen denke ich.
nachts sehe ich

dildos im schlaf. verkrampfte
hände. die prinzessin
hat das programm

gewechselt. die alte frau hat
sich ein bild gemalt. ich
komme nicht

darin vor.


*Achim Wagner: Ingopop, 29.08.01
"pop hat gesiegt"...da steckt für mich der entscheidende "wurm drin"... pop hat sich zu tode gesiegt... bzw. das, was unter diesem begriff zusammengefasst wird... das entspringt keinem wunschdenken, mir war das alles immer recht egal, was da entstand, was entsteht... ich meine: mit der hennig-lange würde ich schon auch ficken, aber es langweilt mich (ohne bösartigkeit), wofür da bäume gefällt werden... oberflächenbeschreibungen können durchaus spannend sein, so sie reflektiert werden... unreflekiert aber wirken sie pubertär... ich kenne keinen pop-text, der eine - wie auch immer geartete - reflexion beinhaltet... zurück zum wurm: gerade die geschwindigkeit + masse der pop-bücher mit der die verlage (siehe: das aktuelle kiwi-programm) den markt versuchen zu bedienen, zeigt mir, dass auch die wissen, was die zeit geschlagen hat...die achte wiederholung der wiederholung wird auch literarisch zwangsläufig + schnellschnellschnell in eine gähnende langeweile münden... pop ist keine epoche, hat keine epoche eingeläutet... pop ist eine mode, die dadurch ihr rasches verschwinden in sich trägt (und unter umständen ein wiederaufflackern in längeren temporären zyklen)...in diesem zusammenhang ist interessant zu erwähnen, dass stuckrad-barre höchstselbst sagte, dass allmählich schluss sein müsse mit der permanenten ironisierung in der literatur... es mag durchaus "nette" popgedichte geben (können), nur halte ich es für nicht erforderlich, poetologische überlegungen anzustellen, welchen prinzipien man zu folgen habe (ingo: konterkariert das nicht bereits den ansatz der popliteratur?... ein denker kann halt nicht aus seiner haut, war das erste, was ich beim lesen deiner mail dachte...)... dass jede äusserung per se eine politische ist, ja, dem schliesse ich mich an... auf die texte bin ich natürlich gespannt, wette aber, dass ingo auch da seine handschrift nicht negieren kann...
ich hätte auch nichts gegen 80000er auflagen, aber um diese art texte zu schreiben, müsste ich neugeboren und eine ungeschriebene historie haben, was ich gar nicht möchte...flugs der versuch eines popgedichts:

nokia
für ingo jacobs

blond lag sie da
nach dem besuch
beim friseur
fuhr ich ihr durch die haare
ein kompliment auf den lippen
ihren festen hintern im blick
in den händen das neue rote nokia
schickt sie ne mitteilung
an den gleich gehörnten freund
schatz, ich komme heute später nach hause...
zerrt an meiner shorts
& ich sinke zwischen ihre lippen
rasiert + eine art schmatzendes lachen
zweimal...


*Rainer Junghardt: Pop, 30.08.01

Nacherzählung Ingos Überlegungen:

1. Es ist nicht sinnvoll zu behaupten, dass sich die Sprache der Popliteratur von der Alltagssprache oder den sonstigen literarischen Sprachen grundsätzlich unterscheidet. Die Sprache des Pop hat sich durchgesetzt, sie ist allgemein verständlich.
2. Auch in der Popliteratur sollte der Autor eine Strategie verfolgen, einen Plan haben.
3. Der Autor (als Subjekt) sollte über seine (subjektive) Wahrnehmung reflektieren. Das, obwohl Popliteratur das äußerlich Wahrnehmbare (die Oberfläche) der Popkultur behandelt (Werbeplakat, Bildschirm...). Es ist notwendig, Gefühle, die durch dieses Äußerliche hervorgerufen werden, ebenfalls wahrzunehmen. Das heißt Innenbetrachtung.
4. Ein schwieriger Punkt ist, ob Popliteratur ein sprachlicher Gegenentwurf zu Alltagssprache sein kann. Das sollte Literatur eigentlich. Um aber selbst noch Pop zu sein, darf sich die Popliteratur nicht zu weit von der Sprache der populären Kultur entfernen.
5. Pop darf politisch sein. (In einem engeren Sinn, im weitesten Sinn ist natürlich jede Äußerung politisch.) Normalerweise sind Bilder und Begriffe der Popkultur darauf ausgerichtet, über gesellschaftliche Grenzen hinweg verständlich zu sein, wodurch diese ausgeblendet werden. Angenommen, die Popkultur ist verbindlich geworden, das heißt, Verhaltensmuster und Ausdrucksweisen werden allgemein an sie angepasst. Die Popliteratur hat die verdeckten gesellschaftlichen Differenzen wieder zu zeigen. Eine Poetologie der Popliteratur muss das fordern.
6. Pop verzichtet auf große Entwürfe. Kein Mann ohne Eigenschaften, keine Suche nach der verlorenen Zeit.

Wenn ich das richtig verstehe, werden hier mehrere Dinge von einer Popliteratur verlangt, die in der zu grunde liegenden Popkultur ausgeschlossen oder vernachlässigt werden.
Was ich nicht verstehe: Wenn die eigene Grundlage für so mangelhaft angesehen wird, warum behält man sie bei? Ich weiß auch nicht, warum Literatur "klein" sein sollte. Kann sie ja sein, aber warum soll sie es sein?


*Stan Lafleur: Plop, 31.08.01

ich seh die genese der pop-lit als aus der trash-lit entstanden, deren harmlose/re kommerzielle nachfolgevariante, trash hat wut vermittelt, pop vermittelt garnichts mehr auszer unreflektierter oberflaeche, gummibaerchen, voellig uninteressant, auszer zur unterhaltung fuer ein zwei flache stunden, eine auszeit, schoen & gut, mehr nicht. gut, ingo, dasz du die mythendiskussion abbrichst, irgendwo ist mein mythenansatz mit pop verwandt, das ist mir klar geworden, dank eurer stimmen, deswegen musz er weiterentwickelt werden. pop traegt keine kritik in sich. zielt auf verkaufbarkeit, nichts weiter. schoenes erkauftes leben. da scheisz ich drauf, das hat mit literatur in meinem sinne nichts zu tun. auszer dasz man was liest, was wo geschrieben steht. insofern bestenfalls noch lit. eher nicht. irgendwie moechte ich auf janet jackson kommen, wenn ich sowas hoere. pop=apfeltittchen.

ingo: nein nein nein!!! oder wolltest du uns zum lachen bringen? wie kannst du brinkmann & den (zumindest fruehen) goetz in eine reihe stellen mit ein paar (ebenfalls) schnoeseln, die sich aber das denken fuers kartoffelholen aufsparen? falls die ueberhaupt noch wissen, was kartoffeln sind? also mach ma halblang & schreib weiter deine guten gedichte, die du noch nicht verkauft bekommst, dann lieszest du davon ab. dein pop-gedicht zeigt ja: das ist zu hoch fuer die pop-goutanten. selbst das.


*Ingo Jacobs: Pop, 31.08.01

wozu der aufwand, wenn das ganze ja eh keine basis darstellt, im gegenteil, objekt / sujet einer kritik zu sein hat! tja. pop als anti-pop? vielleicht. ich will ja mal evaluieren, ob sich dieser begriff - ehemals an kritik gebunden - rückerobern lässt.

ich habe heftigst mit diesen antireflexen gerechnet. aaah, die trashliteraten: sie lieben auf eine zynische weise den ganzen unterhaltungskulturschrott, sie lieben irgendwie auch diese kaputten proll-typen, überhaupt lieben sie diese angebliche totalkaputtheit der bösen welt, weil sie eigentlich unglaublich hochkulturell sind. sie wissen ganz genau was sache ist, haben die komplexität dieser gesellschaft total durchschaut und sind der heimliche geistesadel - nur leider sieht es keiner... gar nix wisst ihr, gar nix. ihr kennt nicht mal euch selbst.

meine ideensammlung bringt zum ausdruck, dass ich mich um eine rückeroberung dieses begriffes bemühen will. gerade eingedenk der tatsache, dass populärkultur nicht mehr wie in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern noch gegenkulturell aufgeladen ist, sondern jetzt den deckel darstellt, unter dem die ihn tragenden symbole sitzen.
vielleicht ist das ganze missverständlich: es geht nicht primär um die ästhetik der oberfläche, sondern um das phänomen, bzw. um die brinkmannsche einsicht, dass sich unter der oberfläche eine menge tiefe verbirgt, die von einem delirierenden subjekt als unbewusstes gefördert werden soll (im sinne von bergbau). es geht um das unbewusste der popkultur. das weitaus gewichtigere problem: ist mein unbewusstes exemplarisch? jedenfalls: das mithilfe poetologischer überlegungen zu korrigieren ist mein anlass. nur leider hat das bisher keiner gesehen.


*Achim Wagner: Response, 31.08.01

ich habe mir noch nie angemasst zu behaupten, ich wisse "genau was sache ist" diese bewusst überspitzte unterstellung dient lediglich dazu, eine spätere kritik mit zusätzlicher schärfe zu würzen (aussagenlogik-semester: eine billige rhetorische waffe)..."ihr wisst gar nichts"..."ihr kennt euch nicht mal selbst"...zielt soweit unter die gürtellinie, dass es hilflos scheint...aber: kein einwand... menschen, die behaupten sich zu kennen, halte ich generell für unglaubwürdig; nichts zu wissen, ist eine erkenntnis, die schon der alte sokrates hatte... der spiess dreht sich dabei rum ... "heimlicher geistesadel" unterstellt arroganz ... mir fehlt DIESE art arroganz, du liest mit scheuklappen, die max. einen 10gradblickwinkel zulassen...kenne ich von mir manchmal auch, vielleicht mache gerade jetzt nichts anderes..."die trashliteraten"=1 unzulässige pauschalierung; zusammenfassung zu einer gruppe, um einen allgemeinen angriff führen zu können (der zwangsläufig ins leere läuft, weil er einer überholten rezeption folgt)...ich liebe diesen "unterhaltungskulturschrott" nicht im geringsten - weder auf zynische noch sonstige art + weise-, was dazu führte, dass ich meinen fernseh-apparat vor zwei jahren verschenkte... was ich mir nicht in abrede stellen lasse, ist das recht auf meine subjektiven - bisweilen sicherlich auch von einer heftigen diktion bestimmten - reflexionen... gleichsam pessoa halte ich alles für fragment... übertragen: ich sehe eine zersplitterte gesellschaft, die sich in ihrer gesamtheit nicht mehr erfassen lässt, die vogelperspektive bleibt mangels flügelbesitzes versperrt... im übergeordneten sinn bezeichnet der begriff popkultur natürlich die jeweils "herrschende" kulturelle strömung... insofern war auch der surrealismus, als er sich durchgesetzt hatte, pop...populärkultur... so besehen benötigt der begriff popkultur keine weitere auseinandersetzung, da er das bezeichnet, was sich für eine bestimmte zeit kulturell durchgesetzt hat... in diesem sinne gilt es die jeweils tragenden säulen, die heterogen zu sehen sind, zu beleuchten. auch mein blick gilt den tiefen unter der oberflächen ... sicherlich macht das erstellen einer poetologie zu den eigenen ansätzen sinn...aber hier wiederhole ich mich gerne: weshalb sollte es nicht mehrere gleichberechtigte ansätze geben? (die sich auch widersprechen können)...zen: "das gegenteil einer großen wahrheit ist auch immer wahr"... in der tat lässt sich an den diskussionen im roundabout eine restriktive haltung gegenüber anderen haltungen festmachen (ich schliesse mich dabei nicht aus), die unnötig scheint... der begriff "respekt" fällt mir dazu ein... zu oft wird aus einer ichichich-denkweise argumentiert, welche die vorhandene konstruktivität zu überlagern droht... nochmal: "heimlicher geistesadel", das spricht für menschen, die sich verkannt fühlen, sich zu unrecht unentdeckt halten (hier mal auf unsere kleine welt der literatur bezogen)... meine aufmerksamkeit gilt dem primären text, ich versuche die (materiellen) aussenumstände so zu gestalten, um mit der größtmöglichen konzentration (der implizierten ruhe) an die arbeit gehen zu können... das ist die einzige ambition, die ich kenne, es gibt keine larmoyanz dabei, lediglich ängste, von aussenzwängen am schreiben gehindert zu werden... (p. greg allend, mein "alter" pekiti-tisrsia-trainer: "lass die anderen danach streben, erster zu sein, versuche so gut zu werden, wie es dir möglich ist)... meine poetologie ergibt sich meist aus dem schaffen, bisweilen ist sie diffus, manchmal völlig klar... auch ich versuche mithilfe theoretischer überlegungen ansätze zu korrigieren, neue zu finden, ich halte diese pausen für nötig, aber ich mag sie nicht lange in anspruch nehmen... kann man den begriff der geistigen "sinnleere" anführen, wenn von einer überlegung geschrieben wird, ob man lieber auschlafen oder zum friseur gehen solle... wobei der begriff der sinnleere so was von abgedroschen ist ... ab und an verraten werbeplakate etwas "dahinter-darunter-liegendes"...ich sehe das als seltene ausnahme...wenn thesen aufgestellt werden, warum sollte man sich wünschen, dass die erwarteten reflexe ausbleiben???


*Stan Lafleur: Pup, 31.08.01

also bitte: scheitern leicht gemacht - diesmal an den grenzziehungen zum begriff pop! pop als anti-pop: na super! & schon hat es der intellektuelle geschafft, das gegenteil gleich mit zu sagen! fuer mich laeuft sowas unter treppenwitz. bravo, groszartig, den kannt ich schon. der kam erst kuerzlich. (vgl. mythos.) & es bringt mich keinen schritt weiter.

pop & lit: pop als transportmittel, um massen zu erreichen: ja. pop als medium fuer seichtheiten: abgelehnt! geht das zusammen? musz das pop, vor allem musz das denn lit heiszen? in einzelfaellen, die man benennen kann. in der lit derzeit nicht. (bzw gebe man mir die entsprechenden buchtitel an!) das gehoert zu bastei luebbe, nicht in eine diskussion um hochliteratur. man sollte jeden ausgewiesenen & bzw sich selbst so ausweisenden popliteraten einmal kraeftig ohrfeigen fuer den unnuetzen papierverbrauch. in meiner nippeser stadtteilbibliothek hatte ich den 3d-roman in der hand, guckte rein & dachte nur: wenn ich die alexa h-l zu packen kriege, dann wring ich sie so lange aus, bis ihr das pulver aus den poren kommt & werde reich damit. & ihr hirn verfuettert man am besten an die spatzen, die haben ein spatzenhirn, da richtet es keinen weiteren schaden an. ich habe mich geaergert, dasz aus diesem text ein buch gemacht wurde. ich habe in diesem moment gemerkt: ich habe groeszeren respekt vorm medium buch als ich zuvor dachte.

ich weisz besser als jeder feuilletonist, was sache ist unter fabrik- & lagerarbeitern, moebelpackern, kleinverbrechern, junkies, pennern. wenn man von haus aus keine kohle hat, lernt man diese kreise kennen. das sind nicht meine freunde. & ich bin ganz froh, dasz ich mich derzeit da nicht mehr aufhalten musz. aber dasz ich das ueber jahre kennengelernt habe/kennenlernen muszte, das ist mit bloeden spruechen nicht aus der welt zu schaffen. mich erinnert der pop-vorschlag an meinen mythenvorschlag. ich seh keine wesentlichen unterschiede. gerade auch, wenn ingo mit brinkmann von der tiefe unter der oberflaeche spricht, die ich in besagter tv-traumhaus-story im gegensatz zu den meisten hier sofort entdeckt habe.

trash war zielgerichteter, das sich-auf-den-abfall-stuerzen direktes resultat der kohl-aera, gegen die man antrat. wir haben den kanzler nicht gestuerzt damit & stattdessen den boden fuer die pop-schwachmaten bereitet, die fuer garnix mehr einstehen als hedonismus. trash hat sich selbst im anschlusz/nachhut ehemaliger avantgarden gesehen, kam von links & harter musik & ist von anthologiemachern bei reclam & rowohlt endgueltig vernichtet worden, wo vor rund fuenf jahren die meisten szene-protagonisten damit aufgehoert hatten, weil man allmaehlich merkte: das kann es nicht mehr sein. bzw die ploetzlich neu auftauchenden weichspuel-trasher in richtung pop & aussagelosigkeit latschten.

musz es unbedingt das reizwort pop sein? waerst du gerne populaer? wenn du populaer bist, dann ist es naemlich schnell egal, was du machst. es handelt sich um rituale mit austauschbaren gestalten im sinne der unterhaltung & des geldverdienens. ich habe immer mehr gewollt, als dafuer bewundert zu werden, auf der buehne zu stehen bzw meinen namen auf einem buch oder in der zeitung stehen zu sehen. die gegenwaertige pop-lit wird wegen ihrer redundanz nicht mehr lange weiterverkauft werden. den poetologischen ansatz bekommste von mir nicht, das solln die poetologen machen, von mir bekommste ne meinung.


* Rainer Junghardt: Weiter gepoppt, 31.08.01

ich fürchte, mit schnellschnellschnell und schönes erkauftes Leben usw. wird etwas kritisiert, das nicht vertreten wurde. In den poetologischen Überlegungen waren mindestens vier Punkte, die über eine rein auf kommerziellen Erfolg gerichtete Popliteratur hinausgehen. So eine dürfte unter diesen Punkten (z.B. sprachlicher Gegenentwurf) eher ein gemeinsamer Gegner sein. Der allerdings aus recht verschiedenen Richtungen gesehen wird. Oder täusche ich mich? Konstruiere ich Gemeinsamkeiten, die nicht da sind?

Ich sehe eine ziemlich große Kluft zwischen der Popkultur (die sich z.B. in Videoclips, Werbespots, Lifestyle-Magazinen zeigt) und dem, worauf Ingos poetologische Überlegungen hinauswollen. Ich frage also immer noch:
1. Was macht das Faszinierende dieser Popkultur aus, die diese Kluft übersteht, und
2. wie kann eine Literatur dem gerecht werden und trotzdem noch Pop sein?

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