| *Ingo Jacobs: Nach den Mythen, 29.08.01 nach der
mythendiskussion möchte ich anfangen, ein vorhaben zu präsentieren,
das sowohl poetologisches als auch die texte dazu beinhalten soll. als
ich letztens in "SOUND SIGNATURES. popsplitter" herumgelesen
habe, ist mir aufgefallen, wie sehr ich - trotz allem grumpfs und umpfs
- auf der seite sogenannter popliterarischer ansätze stehe. vielleicht
ist es nur der ausspruch meiner großmutter, an den ich mich erinnere,
die angesichts meiner frühen spaßmontage-gedichte (mit denen
sie natürlich nichts anfangen konnte) lapidar meinte: "jung,
du musst nicht so akademisch schreiben, sonst verkaufst du nichts".
einschub: der text in "sound signatures" führte jede menge feuilleton-kritik an "the buch" an: schrott, schnipsel, geschreibsel, belanglos etc. als kämen die argumente für eine fragmentierte schreibweise erst aus einem erschreckenden plötzlich; das bürgerliche feuilleton sucht noch immer nach der literarischen killer-applikation? folgende
überlegungen: gedicht: der kronprinz
von norwegen einen hut
und hat gelächelt. ganze land
dabei zugesehen fünfzigjährige
frau am straßen das ich das
noch erleben darf! dildos im
schlaf. verkrampfte gewechselt.
die alte frau hat darin vor.
nokia blond lag
sie da
Nacherzählung Ingos Überlegungen: 1. Es ist
nicht sinnvoll zu behaupten, dass sich die Sprache der Popliteratur von
der Alltagssprache oder den sonstigen literarischen Sprachen grundsätzlich
unterscheidet. Die Sprache des Pop hat sich durchgesetzt, sie ist allgemein
verständlich. Wenn ich
das richtig verstehe, werden hier mehrere Dinge von einer Popliteratur
verlangt, die in der zu grunde liegenden Popkultur ausgeschlossen oder
vernachlässigt werden.
ich seh die genese der pop-lit als aus der trash-lit entstanden, deren harmlose/re kommerzielle nachfolgevariante, trash hat wut vermittelt, pop vermittelt garnichts mehr auszer unreflektierter oberflaeche, gummibaerchen, voellig uninteressant, auszer zur unterhaltung fuer ein zwei flache stunden, eine auszeit, schoen & gut, mehr nicht. gut, ingo, dasz du die mythendiskussion abbrichst, irgendwo ist mein mythenansatz mit pop verwandt, das ist mir klar geworden, dank eurer stimmen, deswegen musz er weiterentwickelt werden. pop traegt keine kritik in sich. zielt auf verkaufbarkeit, nichts weiter. schoenes erkauftes leben. da scheisz ich drauf, das hat mit literatur in meinem sinne nichts zu tun. auszer dasz man was liest, was wo geschrieben steht. insofern bestenfalls noch lit. eher nicht. irgendwie moechte ich auf janet jackson kommen, wenn ich sowas hoere. pop=apfeltittchen. ingo: nein nein nein!!! oder wolltest du uns zum lachen bringen? wie kannst du brinkmann & den (zumindest fruehen) goetz in eine reihe stellen mit ein paar (ebenfalls) schnoeseln, die sich aber das denken fuers kartoffelholen aufsparen? falls die ueberhaupt noch wissen, was kartoffeln sind? also mach ma halblang & schreib weiter deine guten gedichte, die du noch nicht verkauft bekommst, dann lieszest du davon ab. dein pop-gedicht zeigt ja: das ist zu hoch fuer die pop-goutanten. selbst das.
wozu der aufwand, wenn das ganze ja eh keine basis darstellt, im gegenteil, objekt / sujet einer kritik zu sein hat! tja. pop als anti-pop? vielleicht. ich will ja mal evaluieren, ob sich dieser begriff - ehemals an kritik gebunden - rückerobern lässt. ich habe heftigst mit diesen antireflexen gerechnet. aaah, die trashliteraten: sie lieben auf eine zynische weise den ganzen unterhaltungskulturschrott, sie lieben irgendwie auch diese kaputten proll-typen, überhaupt lieben sie diese angebliche totalkaputtheit der bösen welt, weil sie eigentlich unglaublich hochkulturell sind. sie wissen ganz genau was sache ist, haben die komplexität dieser gesellschaft total durchschaut und sind der heimliche geistesadel - nur leider sieht es keiner... gar nix wisst ihr, gar nix. ihr kennt nicht mal euch selbst. meine ideensammlung
bringt zum ausdruck, dass ich mich um eine rückeroberung dieses begriffes
bemühen will. gerade eingedenk der tatsache, dass populärkultur
nicht mehr wie in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern noch gegenkulturell aufgeladen
ist, sondern jetzt den deckel darstellt, unter dem die ihn tragenden symbole
sitzen.
ich habe mir noch nie angemasst zu behaupten, ich wisse "genau was sache ist" diese bewusst überspitzte unterstellung dient lediglich dazu, eine spätere kritik mit zusätzlicher schärfe zu würzen (aussagenlogik-semester: eine billige rhetorische waffe)..."ihr wisst gar nichts"..."ihr kennt euch nicht mal selbst"...zielt soweit unter die gürtellinie, dass es hilflos scheint...aber: kein einwand... menschen, die behaupten sich zu kennen, halte ich generell für unglaubwürdig; nichts zu wissen, ist eine erkenntnis, die schon der alte sokrates hatte... der spiess dreht sich dabei rum ... "heimlicher geistesadel" unterstellt arroganz ... mir fehlt DIESE art arroganz, du liest mit scheuklappen, die max. einen 10gradblickwinkel zulassen...kenne ich von mir manchmal auch, vielleicht mache gerade jetzt nichts anderes..."die trashliteraten"=1 unzulässige pauschalierung; zusammenfassung zu einer gruppe, um einen allgemeinen angriff führen zu können (der zwangsläufig ins leere läuft, weil er einer überholten rezeption folgt)...ich liebe diesen "unterhaltungskulturschrott" nicht im geringsten - weder auf zynische noch sonstige art + weise-, was dazu führte, dass ich meinen fernseh-apparat vor zwei jahren verschenkte... was ich mir nicht in abrede stellen lasse, ist das recht auf meine subjektiven - bisweilen sicherlich auch von einer heftigen diktion bestimmten - reflexionen... gleichsam pessoa halte ich alles für fragment... übertragen: ich sehe eine zersplitterte gesellschaft, die sich in ihrer gesamtheit nicht mehr erfassen lässt, die vogelperspektive bleibt mangels flügelbesitzes versperrt... im übergeordneten sinn bezeichnet der begriff popkultur natürlich die jeweils "herrschende" kulturelle strömung... insofern war auch der surrealismus, als er sich durchgesetzt hatte, pop...populärkultur... so besehen benötigt der begriff popkultur keine weitere auseinandersetzung, da er das bezeichnet, was sich für eine bestimmte zeit kulturell durchgesetzt hat... in diesem sinne gilt es die jeweils tragenden säulen, die heterogen zu sehen sind, zu beleuchten. auch mein blick gilt den tiefen unter der oberflächen ... sicherlich macht das erstellen einer poetologie zu den eigenen ansätzen sinn...aber hier wiederhole ich mich gerne: weshalb sollte es nicht mehrere gleichberechtigte ansätze geben? (die sich auch widersprechen können)...zen: "das gegenteil einer großen wahrheit ist auch immer wahr"... in der tat lässt sich an den diskussionen im roundabout eine restriktive haltung gegenüber anderen haltungen festmachen (ich schliesse mich dabei nicht aus), die unnötig scheint... der begriff "respekt" fällt mir dazu ein... zu oft wird aus einer ichichich-denkweise argumentiert, welche die vorhandene konstruktivität zu überlagern droht... nochmal: "heimlicher geistesadel", das spricht für menschen, die sich verkannt fühlen, sich zu unrecht unentdeckt halten (hier mal auf unsere kleine welt der literatur bezogen)... meine aufmerksamkeit gilt dem primären text, ich versuche die (materiellen) aussenumstände so zu gestalten, um mit der größtmöglichen konzentration (der implizierten ruhe) an die arbeit gehen zu können... das ist die einzige ambition, die ich kenne, es gibt keine larmoyanz dabei, lediglich ängste, von aussenzwängen am schreiben gehindert zu werden... (p. greg allend, mein "alter" pekiti-tisrsia-trainer: "lass die anderen danach streben, erster zu sein, versuche so gut zu werden, wie es dir möglich ist)... meine poetologie ergibt sich meist aus dem schaffen, bisweilen ist sie diffus, manchmal völlig klar... auch ich versuche mithilfe theoretischer überlegungen ansätze zu korrigieren, neue zu finden, ich halte diese pausen für nötig, aber ich mag sie nicht lange in anspruch nehmen... kann man den begriff der geistigen "sinnleere" anführen, wenn von einer überlegung geschrieben wird, ob man lieber auschlafen oder zum friseur gehen solle... wobei der begriff der sinnleere so was von abgedroschen ist ... ab und an verraten werbeplakate etwas "dahinter-darunter-liegendes"...ich sehe das als seltene ausnahme...wenn thesen aufgestellt werden, warum sollte man sich wünschen, dass die erwarteten reflexe ausbleiben???
also bitte: scheitern leicht gemacht - diesmal an den grenzziehungen zum begriff pop! pop als anti-pop: na super! & schon hat es der intellektuelle geschafft, das gegenteil gleich mit zu sagen! fuer mich laeuft sowas unter treppenwitz. bravo, groszartig, den kannt ich schon. der kam erst kuerzlich. (vgl. mythos.) & es bringt mich keinen schritt weiter. pop & lit: pop als transportmittel, um massen zu erreichen: ja. pop als medium fuer seichtheiten: abgelehnt! geht das zusammen? musz das pop, vor allem musz das denn lit heiszen? in einzelfaellen, die man benennen kann. in der lit derzeit nicht. (bzw gebe man mir die entsprechenden buchtitel an!) das gehoert zu bastei luebbe, nicht in eine diskussion um hochliteratur. man sollte jeden ausgewiesenen & bzw sich selbst so ausweisenden popliteraten einmal kraeftig ohrfeigen fuer den unnuetzen papierverbrauch. in meiner nippeser stadtteilbibliothek hatte ich den 3d-roman in der hand, guckte rein & dachte nur: wenn ich die alexa h-l zu packen kriege, dann wring ich sie so lange aus, bis ihr das pulver aus den poren kommt & werde reich damit. & ihr hirn verfuettert man am besten an die spatzen, die haben ein spatzenhirn, da richtet es keinen weiteren schaden an. ich habe mich geaergert, dasz aus diesem text ein buch gemacht wurde. ich habe in diesem moment gemerkt: ich habe groeszeren respekt vorm medium buch als ich zuvor dachte. ich weisz besser als jeder feuilletonist, was sache ist unter fabrik- & lagerarbeitern, moebelpackern, kleinverbrechern, junkies, pennern. wenn man von haus aus keine kohle hat, lernt man diese kreise kennen. das sind nicht meine freunde. & ich bin ganz froh, dasz ich mich derzeit da nicht mehr aufhalten musz. aber dasz ich das ueber jahre kennengelernt habe/kennenlernen muszte, das ist mit bloeden spruechen nicht aus der welt zu schaffen. mich erinnert der pop-vorschlag an meinen mythenvorschlag. ich seh keine wesentlichen unterschiede. gerade auch, wenn ingo mit brinkmann von der tiefe unter der oberflaeche spricht, die ich in besagter tv-traumhaus-story im gegensatz zu den meisten hier sofort entdeckt habe. trash war zielgerichteter, das sich-auf-den-abfall-stuerzen direktes resultat der kohl-aera, gegen die man antrat. wir haben den kanzler nicht gestuerzt damit & stattdessen den boden fuer die pop-schwachmaten bereitet, die fuer garnix mehr einstehen als hedonismus. trash hat sich selbst im anschlusz/nachhut ehemaliger avantgarden gesehen, kam von links & harter musik & ist von anthologiemachern bei reclam & rowohlt endgueltig vernichtet worden, wo vor rund fuenf jahren die meisten szene-protagonisten damit aufgehoert hatten, weil man allmaehlich merkte: das kann es nicht mehr sein. bzw die ploetzlich neu auftauchenden weichspuel-trasher in richtung pop & aussagelosigkeit latschten. musz es unbedingt das reizwort pop sein? waerst du gerne populaer? wenn du populaer bist, dann ist es naemlich schnell egal, was du machst. es handelt sich um rituale mit austauschbaren gestalten im sinne der unterhaltung & des geldverdienens. ich habe immer mehr gewollt, als dafuer bewundert zu werden, auf der buehne zu stehen bzw meinen namen auf einem buch oder in der zeitung stehen zu sehen. die gegenwaertige pop-lit wird wegen ihrer redundanz nicht mehr lange weiterverkauft werden. den poetologischen ansatz bekommste von mir nicht, das solln die poetologen machen, von mir bekommste ne meinung.
ich fürchte, mit schnellschnellschnell und schönes erkauftes Leben usw. wird etwas kritisiert, das nicht vertreten wurde. In den poetologischen Überlegungen waren mindestens vier Punkte, die über eine rein auf kommerziellen Erfolg gerichtete Popliteratur hinausgehen. So eine dürfte unter diesen Punkten (z.B. sprachlicher Gegenentwurf) eher ein gemeinsamer Gegner sein. Der allerdings aus recht verschiedenen Richtungen gesehen wird. Oder täusche ich mich? Konstruiere ich Gemeinsamkeiten, die nicht da sind? Ich sehe
eine ziemlich große Kluft zwischen der Popkultur (die sich z.B.
in Videoclips, Werbespots, Lifestyle-Magazinen zeigt) und dem, worauf
Ingos poetologische Überlegungen hinauswollen. Ich frage also immer
noch: |