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Roundabout Juli

*Julja Schneider, Engel Schlussakt, 01.07.01

VERFLOSSEN

als ihr die flügel ausgegangen waren
sie, wie flüsse, nur noch stank
und ihr hirn sanft in hirntot sank

hatte sich ihr herz letztendlich selbst erschlagen
ward sie an engelszungen aufgehangen weggetragen
begleitet von johlem fischgesang

trieb ihr leib vorbei an leuten, häusern, landgewelle
hin zur uren ersten kwelle
schwammig war ihr letzer gang


*René Hamann, Angel Dust, 04.07.01
"filme, in denen engel vorkommen, taugen überhaupt nichts", meinte letztens jemand so völlig richtig. gilt das auch für texte? sagen wir so - es ist nicht die regel. offensichtlich ist der engel aber eine gern benutzte metafer, um ein bestimmtes frauenbild zu evozieren: sanft, lieb, himmlisch, mit güldenem haar usw. die divine frau, von gott höchstpersönlich geschickt: das ist der engel. es nimmt nicht wunder, dass dieses verdächtige bild auch in der umdrehung gerne benutzt wird: männer wollen mit engeln schlafen, klar, sexuell gestörte männer wollen engel vergewaltigen, weil ja die potenz so hoch ist, die machtausübung. "der engel" ist IMMER die frau, das frauenbild, welches begehrt, verlangt und sexuell ausgebeutet wird. was ist daran witzig?

ich habe mal eine seminararbeit über 'frauenbilder in der literatur' geschrieben. selbstredend zunächst in männlicher literatur - vor allem um 1900 herum hat es enorm viele männerbücher gegeben, die völlig autistisch das männliche begehren nach frauenBILDERn beschreiben. immer wieder die klassischen einheiten: die jungfrau (=die naive unschuldige, die schnell errötet und die MANN entweder garnicht anfassen möchte oder möglichst schnell deflorieren), die hure (=die jederzeit verfügbare frau, immer im misskredit, da ihr ein negatives image anhaftet), die mutter (=die frau, die sexuelles tabu & ewiges leitbild vereint), der engel (s.o.). am liebsten die mischung: hure und jungfrau. das alles findet man ständig und andauernd bei fast allen männlichen schriftstellern dieser periode, von flaubert über fontane bis eben hin zu brecht. zu diesen punkten sollte man unbedingt theweleits 'männerphantasien' lesen, dort werden sogar wesentlich mehr "frauenbilder" verhandelt (z.b. die "krankenschwester") - theweleit zeigt nicht nur quasi-feministisch diese frauenbilder auf, sondern vor allem inwiefern diese männlichen sexuellen projektionen sexistisch sind (klar), und wie sie in gewaltsfantasien und tatsächlich faschistischer literatur münden ...

die mutter (sic!) des abschreckenden beispiels ist in meinen augen de sade, ich habe mal 'justine' angefangen, eine bittere bloße aneinanderreihung von männlich arroganten vergewaltigungsfantasien, keineswegs lustig, sondern schlichtweg die hölle. eine gute empfehlung wäre james joyce: 'portrait of the artist as a young man', der ebenfalls alle frauenbilder durchspielt, bis am ende doch die erlösung passiert und eine REALE frau schluss macht mit den dummen projektionen des männlichen erzählers.

die reale frau: mich wundert und ärgert es, inwiefern tatsächlich diese bilder noch zirkulieren, wie sie immer noch bedient und reproduziert werden, sei es im zeichen einer bad-boy-haften "provokation" (vgl. auch eminem, rapper) oder im zeichen vermeintlicher lustigkeit. diese bilder haben nichts mit REALER kommunikation zwischen den geschlechtern zu tun, REALE frauen sehen sich diesen projektionen meist nur hilflos ausgesetzt.

"ich bin eine ganz normale frau", sagt juliette binoche im film 'drei farben: blau' zu ihrem verehrer, "ich schwitze, ich stinke, muss
gelegentlich aufs klo, bekomme einmal im monat meine tage, werde müde, wenn ich zu wenig geschlafen habe" usw. ein realer, konkreter körper - symptomatisch, dass es viele männer angst einflößt, wenn sie es mit realen frauen zu tun bekommen (ich kenne das auch, man schleppt unbewusst immer noch zu viel von diesen bildern mit sich herum).

eine andere frage ist natürlich, wie frauen mit diesen kursierenden bildern umgehen - es gibt bspw. schriftstellerinnen, die insgeheim diese bilder bejahen, mit ihnen spielen, sie für 'romantische' zeichen halten (file under: was ich noch nie an mayröcker, duras und brüggemann leiden konnte). es gibt besonders marginalisierte, die den plötzlich erweiterten resonanzraum der sprache dafür nutzen, die bilder reziprok zu benutzen: "yeah i'm a bitch" singt/rappt missy elliott. die afroamerikanischen rapperinnen haben es am besten verstanden, denke ich dann. so wie es die männer im rassismus-kontext vorgemacht haben: "yeah i'm a nigger" - was wollt ihr scheißer?

schließlich die kirche: die ist natürlich schuld an dem ganzen dilemma. ich persönlich hoffe, die kirche wird irgendwann gänzlich verschwinden, aber gott sei dank ist gott ja schon lange tot, nur dass Er (sic!) & konsortien immer noch geisterhaft rumspuken müssen, und sei es nur über diese dummen mystischen flügelgestalten in schlechten fickgedichten. ich mein, über fabelwesen kann man sprechen - aber wenn sie derart in das allgemein-menschliche verhalten eingreifen, asozial das soziale mitbestimmen, dann weg damit. es ist tatsächlich frappierend, bei aller zurschaustellung des neuen weiblichen selbstbewusstseins, wie repressiv und dominant männliches denken & handeln immer noch ist.


*Achim Wagner, Engel, 04.07.01
als neo-romantiker, hardcore-romantiker, wasweissichromantiker sind mir engel natürlich nicht gänzlich fremd... so sehr ich rené zustimmen muss, letztlich hat er in fast allen punkt recht, bleiben da doch ein paar ergänzungen: klar ist der "engel" vorbelastet... hure + jungfrau in einem sehe ich mehr bei maria, habe vor ein paar jahren mal ne interessante abhandlung gelesen, da wurde der begriff des engels auf die kommunikation bezogen, den transport von nachrichten generell (nicht im esoterischen sinn), auf das ungreifbare (radiowellen etc.), fand ich recht gut... es gab (vor dada) die aussage, dass die kunst in all ihren formen das gute in den menschen fördern solle, das begründete unter anderem ihre daseinsberechtigung... von der erhöhung zu den engeln ists nicht mal ein schritt...in bausch und bogen zu verdammen halte ich für nicht zweckmässig...da vinci, michelangelo, raffael seien mal zu untermauerung beigezogen, auch der kommunist hridlicka (siehe: kreuzigungsgruppe) ...max ernst: die jungfrau maria züchtigt das jesuskind vor drei zeugen... (wenn ich schon den bogen zu dieser figur spanne).... dem ungreifbaren einen begriff geben, warum nicht? mit aller kenntnis (danke rené für diesen kleinen ausflug)... mir hat "himmel über berlin" gefallen, im übrigen... auch "god's army" hat was...lucifer wurde noch nicht erwähnt... dabei: mephisto, meinermeinung nach besonders in faust 2 bemerkenswert: "wenn diese narren denstein des weisen hätten, der weise mangelte dem stein"...es geht eben um prinzipien (wie eben auch rené rausstellte...)...aber nicht immer nur um das sexuelle oder sein gegenteil...das denken, die aufklärung auch... das denken als das böse aus sicht der gläubigen... prometheus als vorläufer lucifers... auch ikaros... jede zeit drückte ihre stempel auf, was aber nicht gegen den engel als figur sprechen muss... denke ich... der traum vom fliegen, dem beherrschen der elemente...in ähnlichem zusammenhang: die nixen...(was wäre das stuttgarter huzelmännchen ohne die anektode der schönen lau...)... desweiteren shiva und die anderen hinduistischen devas...die eine einheit mit ihren weiblichen aspekten bilden (und umgekehrt: shiva + parvati sind eins=1 zweigeschlechtliches wesen, siehe: engel, auch diese...weil eben der gleichen vorstellung entsprungen) ...


*Stan Lafleur, Engelmachen & feministische Revolution, 04.07.01
ich moechte auf die fuer meine begriffe zu kategorisch-allgemeine engel-mail antworten, um zu zeigen, dasz die meinungen divergieren & nichts & alles davon stimmt. ich komme hier nochmal auf den filter, den man der eigenen haltung ueberstuelpt. alors:
auch ich kenne keinen guten film, in dem engel vorkommen. aber ich bin kein cineast. was texte angeht, so hab ich keine konkreten beispiele (auszer juljas, der mir gefallen hat) direkt an der hand, & der romantische engelbegriff ist mir auch ziemlich zuwider, ich benutze das wort engel nur ganz ungern, seit ich mit der ganzen romantik/romantisiererei fuer mich weitgehend (dh eben nicht zur gaenze) abgeschlossen habe. das heiszt eben geschlechtslos. punkt. das war mein filteraufsatz. mein persoenlicher blick/humor auf die sache ist kein falscher, nur weil er das altbekannte/naheliegende in diesem fall ausspart. es ist eben nichts weiter als ein blickwinkel. der das ganze drama um macht/abhaengigkeit links (& ich sage bewuszt: links, denn das ist meine soz!
ia!
lisation) liegen laeszt. de sades justine hab ich auch mal gelesen & mich da aehnlich wie durch ellis` american psycho gequaelt, weil da nichts neues kam, seite um seite & jeweils ca zur haelfte aufgegeben. der eine geht fuer seine obsessionen in die klapse, der andere wird zum medienstar. beide haben sie nur jeweils schlechte "literatur" produziert. joyces "portrait of.." hab ich aus andern gruenden noch viel schneller aufgegeben, denn sein englisch war mir zu hoch. ((nebenbei: interessant zu joyce (& vielem anderen: kirchengeschichte, zeittheorie, mann-frau-beziehungen): flann o`brien: aus dalkeys archiven, suhrkamp tb)) die reale frau: nochmals: der engel ist KEINE reale frau. wird es erst per widmungszusatz. andererseits haben diese bilder durchaus mit realer kommunikation zwischen den geschlechtern zu tun, allerdings nur in grenzfaellen. ich bin in grenzfaellen halb beheimatet. in der regel kommt das, was rené wohl als aggression bezeichnen wuerdest, vom mann. ich kenne genug frauen, die offensiv mit ihrer sexualitaet umgehen, gute freundinnen darunter. das ist nun etwas schwer zu beschreiben, ich wuerde diese frauen als "natuerlich" bezeichnen. (das entspricht in etwa/grob dem juliette binoche-filmzitat.) vielleicht auch weil ich solche frauen schon lange kenne & sie zu meinem freundeskreis gehoeren, floeszen mir solche aeuszerungen keine angst ein. ich sehe auch, dasz gerade "die deutsche frau" (rené: auch das ein witz!) ihre probleme mit sowas hat. der umgang mit der eigenen sexualitaet haengt mit der kulturgenese zusammen. maennliches & weibliches denken: hat thatcher maennlich gedacht? ist sie keine frau? ich wuenschte mir oft, dasz bestimmte, aber eben nur bestimmte frauen (wie auch maenner) mehr zu sagen haetten, mehr auf die gehoert wuerde. es sind soviele (weit ueberproportional) maennliche nullen in gewichtigen positionen. das liegt im bewaehrten. aber dann guck dir den schwachsinn mal an, den frauenzeitschriften so verbreiten, die ja doch meist von frauen geleitet werden. da heiszt es auch nicht: dick sein & schwitzen ist ok. warum sind die frauen unzufrieden? opfer maennlicher (gewalt)vorstellungen? eher selten. erstreben (maennlichen) karriere/wettbewerbsdenkens? eher haeufiger. (letzteres beides in meinen auszenseiterkreisen.) wie vertraegt sich das mit dem natuerlichen kinderwunsch, der klassischen mutterrolle & was bedeutet das fuer die naechste generation? (alle scheidungskinder, zumindest die weiblichen, landen beim psychologen!)ich kuerze das radikal ab. die sache ist fuer mich sehr komplex & verwickelt. sie ist modern (das adjektiv modern kommt vom verb modern) & eine zufriedenstellende loesung ist nicht in sicht. aber das liegt nicht allein daran, dasz sich der mann von seiner alten rolle verabschieden musz/soll. die moderne frau mit ihren modernen wuenschen schafft sich eine menge probleme selbst, wenn sie ihrer sache nicht ganz sicher ist, was im system begruendet liegt. also revolution? die letzte hier in der naehe ging zugunsten unseres westlichen modells aus. theweleit hab ich nicht gelesen: ein mann, der feministisch argumentiert, ist mir von seiner grundqualifikation her suspekt. sicher ein billiges argument. aber meine gedichte sind auch billig. das leben ist billig. billig & gut. solang nur geredet wird, sage ich: es lebe aldi! (mit den schnellen rotzigen frauen an der kasse.)


*René Hamann, Free All Angels, 12.07.01
"im pool die filter/
werden ausgewechselt"
(ingo jacobs)

1. "die filter": ja gewiss, alle nehmen alles ganz individuell wahr. und haben ein recht auf die eigene meinung. sich allerdings auf den "eigenen blickwinkel" oder wahrnehmung zurückzuziehen, halte ich mit verlaub für billig. schließlich sind wir angetreten, die eigenen meinungen/wahrnehmungen/filter zu diskutieren - die ja auch ständig gecheckt und gesäubert und überprüft werden wollen, nicht wahr, sonst wird doch das wasser faul und kein gedanke mag mehr schwimmen gehen ...

2. "die geschlechtslosen engel": das halte ich dann eher für den witz. m.w. waren die engel zunächst durchweg männlich - die erzengel nämlich, uriel, gabriel, raffael etc. bevor dann sozusagen ein "paradigmenwechsel" stattfand - alle sollten engel werden können, im jenseits, im paradies (die vulgärchristliche variante: ihr wisst schon: wolken & harfe und so). nach der philosophischen absage an die jenseits-vorstellung setzte eine mythologisierung der frau ein (ja - maria ist das paradebeispiel), aber ich möchte nicht wiederholen, was ich schon geschrieben habe. sicherlich gibt es unter den heutigen engeln noch immer männliche, wie z.b. in "der himmel über berlin" (den ich unterirdisch fand). nur das mit den engeln als "geschlechtslose wesen", das kann mir niemand erzählen, das geht ja schon grammatikalisch gar nicht.

3. "glad i'm a girl": wir müssen uns jetzt nicht in grundsätzlichkeiten aufreiben, das bringt ja nichts, wir können diesen seitenschauplatz meinetwegen wieder schleunigst schließen, das hauptschlachtfeld ist ja auch schon leergefegt. ich weiß nur, dass es mit der "emanzipation" noch nicht so weit her ist, wie alle tun und/oder behaupten, von daher war mir eine diskussion wichtig. eine ausschaltung des "diskurses" allerdings, nur weil er naheliegend ist, und eine bewegung auf eine position "über den dingen", verkleidet in humor, finde ich in diesem zusammenhang gelinde gesagt fragwürdig.


*Achim Wagner, El, 12.07.01
ganz kurz, weil leicht vergrippt: erzengel (gabriel etc.)...endung:
-el=gottheit... die gottheit...brückenschlag zu indien, da gibt es keine
götter, sondern gottheiten...shiva+parvati=1 ... so ist das nunmal in
dieser philosophie ((die der hinduismus ist, welcher übrigens auch den
atheismus intergriert...das am rande))...ich sagte ja: von der
jeweiligen zeit geprägt...alles, was mit engeln zu tun...dass sie aber
in der entstehung aber geschlechtslos, respektive zweigeschlechtlich
waren, dafür kann ich nun auch nichts...


*Stan Lafleur, Be All Angels, 12.07.01
aha aha aha,
ueber die geschlechtlichkeit der engel werden wir uns in diesem leben wohl nicht mehr einig, eines tages als schwanz ab-engel (meine meinung) werden wir es besser wissen. rené kommt mit der dt grammatik & ich entgegne: der sonne & die mond, die sind ja voll geklont!
natuerlich kannst du es billig nennen, sich auf den eigenen blickwinkel zurueckzuziehen, aber was anderes hast du auch nicht getan, oder? ich meine das so weit gefaszt, als dasz man halt nur von dem aus argumentieren kann, was man gelernt hat. die noetige erweiterung findet zb hier statt & das ist, mit wowereit, gut so. ich begruesze den streit, wie er hier stattfindet, die akademiker unter euch nennen es vielleicht diskurs, ist mir wurscht. finde uebrigens den himmel ueber berlin einen mittelmaeszigen, aber nicht einen schlechten film. also schon garnicht einen guten. ein schlechter film ist fuer mich eher ein hollywoodfilm, aber ich kenn mich da auch nicht so aus.


*Ingo Jacobs, Engel, 13.07.01
DER ENGEL
(ein ganz schnelles fickgedicht)

der engel steht vor einem bengel
und betrachtet verzückt seinen
schwengel. der bengel seinerseits
macht seine beine breit und greift
dem engel behende an die lende
dann ficken sie bis das es kommt
und lachen über die, die’s gar
nicht machen


*Stan Lafleur, Re: Engel, 13.07.01
ingo, ich verleihe dir fuer dein gedicht "der engel" den stan lafleur-award fuer billige, populaere lyrik. der preis dafuer ist heisz & riecht nach alkoholgetraenktem schweisz. er ist symbolisch, aber ernst gemeint, wie so oft in unserem metier. da meine eigenen gedichte mind 44 sekunden herstellungszeit brauchen, verleih ich dir auszerdem den michael & ralf schumacher-preis der stadt kerpen fuer rasante lyrik. das preisgeld besteht in einer portion pommes rot/weisz. du kannst sie dir abholen in der grill-station naehe bruesseler platz. wenn ich auch da bin, ist es sogar kostenlos. dein gedicht "der engel" hat mir im uebrigen so gut gefallen, dasz ich es fuer den roundabout-preis 2001 vorschlage.
aber darauf hab ich keinen einflusz.


*Julja Schneider, VerschwENGELt, 16.07.01
Have you read any good telephone books lately
If you ain´t let me recommend one
I´ve already read that Tulsa telephone book through thirteen times
If you don´t know any last names
It ain´t much fun
(Calexico)

dieses vorangestellte zitat mein beitrag zum thema vergebliche melancholie.
hier mein beitrag zum thema schlüpfrige minutengedichte über engel:

Wenn ein Engel es sich selber macht
Greift er sich ans Selbst und sacht
Wächst ihm aus ´ner Flügelschuppe
Eine lustig keuche Gummipuppe
Die aufzublasen er sich regt

Und dann wird sich drauf gelegt
Dreimal rein und einmal runter
Wenn Engel ficken werden Puppen munter
Denn erst die Gummipuppe hat
Den Engel androgyn gemacht

PS: Warum benutzen jungs eigenlich so häufig das wort schwengel, wenn sie über ihr geschlechtsorgan philosophieren?
es gibt so schöne worte (leider fällt mir jetzt keins ein) aber schwengel gehört nicht dazu. sagen, glaube ich, auch
nur männer.


*Achim Wagner, 16.07.01
J-HAIKU 1

ihre hand in das
kissen gekrallt die finger
wie spinnenbeine


*Adrian Kasnitz, Ein Gedicht zur Geschlechtslosigkeit von Engeln, 16.07.01

HERMES HERMAPHRODIT

verdeckt seine scham
die keine scham ist
hält die botschaft vor die lenden
medium message (m a s s a g e)
auf den leib geschrieben
die graphen GOTTES
die sichere hand die ihn berührte

aber im s a l o n d e r n e u g i e r i g e n c a u s e u r e
ist nur platz für männlein/weiblein
das grausame lachen des gekränkten
SARRASINE zum zerreis-
zen zum federn rupfen

der flügel des engels des HERRN.


*René Hamann, Cowboys & Angels, 17.07.01
ich ergreife die gelegenheit und fordere zu einem neuen spiel auf: songtexte
vom englischen o.a. ins deutsche "literarisch" übertragen. für den
gleitenden übergang habe ich das stück "she's an angel" von they might be
giants von ihrer ersten lp von 1987 genommen:

SIE IST EIN ENGEL

auf einer hundeschau
traf ich sie hielt
meinen linken arm doch
alle anderen verhielten sich normal so
versuchte ich nonchalant zu sein während
wir beide sagten: "ich liebe dich wirklich".

die schreiner liehen uns dann autos
wir knarrten den sidewalk
zwanzigtausend mal rauf & runter - warum
haben sie ausgerechnet sie geschickt? wie
sollte ich reagieren? so was passiert
anderen eigentlich passiert das gar nicht

wenn du hinter einem engel her bist heißt das
dass du deinen körper von einem gebäude
werfen musst? auf einem stecknadel
kopf nennt man dich engel gibt dir
die lieblichsten namen - da sendet
eine weltraumstation wenn sie singen
hört man sie nicht es gibt keine luft aber
ich mag das denke ich manchmal bin ich
genau da

& frage nach der zulassung rufe
den herrn der anklage an seine
sekretärin meint er wär auf der anderen leitung
ob ich sehr sehr lange warten könne?

ich fand raus: sie ist ein engel
ich glaube nicht dass sie weiß dass ich weiß
ich fürchte nur dass mit mir irgendwas geschieht
wenn jemand dahinter kommt

http://www.tmbg.org/band-info/songs/lyrics/ShesanAngel.html

die interpretation wird übrigens gleich mitgeliefert:
"This song is basically about a guy who is in love with a woman, and he feels that she is the ideal person (an angel). He feels like he isn't good enough for her (he isn't an angel). Throughout the song he glorifies her and says that he is less perfect than people think he is."


*Stan Lafleur, Alright, 19.07.01
das wort "schwengel" hab ich seit achtzehn jahren nicht mehr benutzt. (zum letzten mal am 23 juni 1983.) da war kohl schon dran. ich glaub, damals paszte das noch, zum auspendeln eines zeitalters. retro-ingo hat das jetzt wieder grosz gemacht. das wort "schwengel" erinnert mich an die fuerchterliche musik der 80er jahre: es klingt nach duran duran. nach einer verschimmelten hollywoodschaukel, die sich geweigert hat, in den 70ern zu sterben & noch ein wenig dem regen trotzte. nach einer idee von zen-buddhismus, die unbedingt mit einem japanischen gong verbunden ist. kurz: es klingt laecherlich.


*Rainer Junghardt, Geschäftsbericht, 24.07.01
WERKSFERIEN

Was man tut hat ein Projekt zu sein
obwohl der Konzern bloß
noch ein bisschen nettet
die Holding sweept nur
die Bleistifte spitzen sich zu
und draußen flattern die Vögel
Allerdings drei Umschüler
klagen beim Mittag da
stehe was in der Ecke und
man gehe dem besser nicht
auf den Grund Aber dich
belastet das wohl nicht so
sehr eigentlich nicht und
Linda hat vierzig Pipse
in den Sand gesetzt

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