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      Roundabout Oktober



 

 

roundabout oktober

René Hamann, 22.10.: "vielleicht solltet ihr die geäußerten zweifel und bedenken ernst nehmen und überlegen, wohin das schiff denn rudern soll. ich werde den übel riechenden verdacht nicht quitt, dass der rest zuneigung in mir immer noch größer ist als der tatsächliche tatendrang der meisten anderen. denn tut mir leid, aber eine vom alltag völlig überschwämmte hobby-schriftstellerei-kaffeekranz-runde mit überlangen babypausen ist nicht das, was ich mir vom roundabout erwartet habe. da hätte ich auch gleich im lit-at oder in der auwe bleiben können."

Sigmund Freud, 1917: "Der Künstler ist (...) ein Introvertierter, der es nicht weit zur Neurose hat. Er wird von überstarken Triebbedürfnissen gedrängt, möchte Ehre, Macht, Reichtum, Ruhm und die Liebe der Frauen erwerben; es fehlen ihm aber die Mittel, um diese Befriedigungen zu erreichen. Darum wendet er sich wie ein anderer Unbefriedigter von der Wirklichkeit ab und überträgt all sein Interesse, auch seine Libido, auf dieWunschbildungen seines Phantasielebens, von denen aus der Weg zur Neurose führen könnte. Es muß wohl vielerlei zusammentreffen, damit dies nicht der volle Ausgang seiner Entwicklung werde; es ist ja bekannt, wie häufig gerade Künstler an einer partiellen Hemmung ihrer Leistungsfähigkeit durch Neurosen leiden. Wahrscheinlich enthält ihre Konstitution eine starke Fähigkeit zur Sublimierung und eine gewisse Lockerheit der den Konflikt entscheidenden Verdrängungen."

Saskia Mackeben, 23.10.: "ich möchte schon, dass es das roundabout weiter gibt. die idee mit den monatlichen tagebuchvorstellungen finde ich gut, also ich würde es sowohl gerne lesen als auch gerne machen. gut fände ich aber auch nach wie vor monatliche themenvorgaben für texte, auch wenn mir selber vielleicht nicht zu jedem thema etwas einfällt. ich hoffe, es kommt wieder etwas schwung in den laden."

Rainer Junghardt, 24.10.: "Übrigens: Wer liest das schon: Ich kenne zumindest schon mal zwei Leute. Wie ist das mit dem Tagebuch gemeint? Ein persönliches, zum Alltag des Schreibers, oder auf dieses Forum bezogen? Ich hab umschulungsbedingt leider nicht so sehr viel Zeit, zumindest bis zum 27.11. (Prüfung). Aber ab Dezember müsste ich wieder in normalem Umfang Gelegenheit haben hier beizutragen. Auf das man wieder mehr voneinander liest. Als Themenvorschläge für den November ziehe ich einfach Begriffe (sind nicht die Überschriften) aus Texten die heute in der Autorenwerkstatt vorgestellt wurden (von Stefan Zett und Frank Brehm):- Der Megamagen - Mittelwürden - Die perfekte Euro-Normtüte"

Christian Jansen, 24.10.: "was die hobby-autoren-kaffeeklatsch-runde betrifft: den kaffeeklatsch lasse ich erstmal beiseite. bzgl "hobby" wuerde ich dann fragen: was ist ein hobby-autor?? oder: wer in unserer reihe versteht sich als profi-autor? und wer soll das sein? - jemand, der vom schreiben leben kann? - das kann doch (glaub ich) keiner von uns. - jemand, der regelmaessig und relativ viel veroeffentlicht? - auch dies gelingt doch hier wohl nur einer absoluten minderheit, wenn ueberhaupt, oder? ich als hobby-autor jedenfalls kann weder vom schreiben leben, noch habe ich zeit genug, mich um die entsprechenden verlags-/zeitschriftenconnects zu kuemmern. v.a. letzteres scheint mir ein unheimlicher vitamin-B-urwald zu sein, auf den ich aus dem exil heraushinabblicke wie aus einem flugzeug, das den kongo ueberfliegt: unter dem gruen muss es irgendwas geben, aber ich sehe nur wald und keinen baum. lasse ich den kaffeeklatsch nicht mehr und den hobby-autor sehr wohl beiseite: es kommt also nicht auf den sozialen status, sondern eher auf die qualitaet der beitraege an. und hier kann jeder von uns zum besseren hin wirken. wie ich das sehe, sind anregende diskussionen immer von zuendenden einwuerfen ausgegangen. so wird es wahrscheinlich auch in zukunft bleiben. ich glaube nicht an die heilsame wirkung von themenvorgaben und frommen aufrufen (habe nichts dagegen, schaetze allerdings deren wirkung gering ein). ich glaube an texte, die funken spruehen."

Anne Stoll, 25.10.: "ich möchte auch gerne, dass es das roundabout weiterhin gibt. wie aber soll das mit den tagebüchern aussehen. das, was ich mir darunter vorstelle, übt reiz auf mich aus. mit den monatlichen themenvoschlägen bin ich auch einverstanden. es könnte fruchtbarer für alle werden, wenn in redestoßzeiten etwas weniger massives konträres output stattfände, sondern vielleicht mehr an einem strang diskutiert würde. also etwas mehr disziplin!"

Sigmund Freud, 1917: "Den Rückweg zur Realität findet der Künstler aber auf folgende Art. Er ist ja nicht der einzige, der ein Phantasieleben führt. Das Zwischenreich der Phantasie ist durch allgemeinmenschliche Übereinkünft gebilligt, und jeder Entbehrende erwartet von daher Linderung und Trost. (...) Er [der Künstler, anm. rh] versteht es ..., seine Tagträume so zu bearbeiten, daß sie das allzu Persönliche, welches Fremde abstößt, verlieren und für die anderen mitgenießbar werden. Er weiß sie auch so weit zu mildern, daß sie ihre Herkunft aus den verpönten Quellen nicht leicht verraten. Er besitzt ferner das rätselhafte Vermögen, ein bestimmtes Material zu formen, bis es zum getreuen Ebenbilde seiner Phantasievorstellung geworden ist, und dann weiß er an diese Darstellung seiner unbewußten Phantasie so viel Lustgewinn zu knüpfen, daß durch sie die Verdrängungen wenigstens zeitweilig überwogen und aufgehoben werden."

Zoe Jenny, Oktober 2002: "Wie immer habe ich auch in diesem Roman auf Erklärungsmuster verzichtet. Die Welt erklären sollen die Wissenschaftler. Ich habe eine Geschichte erzählt. Es brauchte ziemlich viel Überwindung und auch Mut, mich mit der rechten Szene zu beschäftigen. Aber in Gesprächen habe ich festgestellt, dass es in erster Linie um Emotionen geht, um männliche Minderwertigkeitskomplexe und Verlustängste. (...) Wer Bücher kritisiert, weil sie ein jugendliches Publikum anziehen, müsste dann ja auch gegen Hesse, Golding und Salinger sein. Tja, solche merkwürdigen Leute soll's geben."

René Hamann, 29.10.: "vom schreiben leben: kann ich nicht. aber geld ist schön, und gelegentlich wird die arbeit auch belohnt, und als endziel steht, dass sich die arbeit auch existenziell lohnen soll, denn das ist sie oder sollte sie sein: existenziell. was ich mit "hobby-schriftstellerei" (bitte beachetet die unterscheide) meinte: dass schreiben eine entscheidung ist. hier gilt nur: ja oder nein. alles andere ist ein fall für "die traurige schublade" (oder den "glücklichen therapeuten"). und wer keine übersicht hat, sollte sich eine zulegen. aber bevor (weitere) missverständnisse aufkommen: ja, es kommt "auf die qualitaet der beitraege an". es wäre an der zeit, eine analyse anzustrengen, woher beitragsqualität kommt. quantität, um dem vorzugreifen, scheidet als quell beinah aus."

das roundabout musste sich von Stan Lafleur verabschieden. das roundabout durfte jedoch Roland Schappert als neues mitglied begrüßen.

(c) die autorInnen 2002

 

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