Jutta
Koether:
ROTE BEETEN
"Everyhing
is in the concentration and the vaporization of the ego"(Charles Baudelaire)
" I guess I write in order to fulfill the primal need for artificial
respiration/Like myself my poetry is so alive it stinks/I don´t have
a birthday, I don´t like movies....." (Theresa Stern)
New York
Ah sonnige Fallwindzeit. Und vielfältig sind die harten Geräusch
die meine Ohren erreichen. Auch unter der Mütze. Geschichte und
Erinnerung sind in Fragmenten zu haben! In allen Formaten. In Aufschrei,
in Trarara, in Gegenbewegungen. Vom Durchkämpfen verschwitzt, tropfend.
Ha, noch eine letzte innere ölung. Harscher Salat. Künstliches
Blut. Herzhaft im Biß, im Wettbwerb der Vampire, versuche ich
dich immer wieder neu zu erfinden. Kunst entsteht. Kunst vergisst. Kunst
hat sich verpisst. Kunst war mein Leben. Kunst ist Zeit. Kunst ist ewig.
Ich liebe dich. Die Liebe ist ein rebellischer Vogel. Du spinnst. Du
fliegst. Du fliegst davon. Du hast mich durchlöchert. Ich war tot.
Ich bin wieder da. Ich brauche dich. Sieh hin. Sieh nicht hin. Und nach
dem Verbluten? Purpurfarben, zusammengemischt ergibt sich der Grund
für ein Gesicht. Universelle Fragement. Und die Zeit hat einen
Aufzug genommen in die höchste Höhe und der Wind war heiß
geworden vom Strahl einer neuen Sonne. Ich bin es. Willst du ausgehen?
Die Musik
Ist wie Malerei.
Viele Jahre lang bin ich ein übersee-Reisender gewesen.Hin und
Her, grundlos, ziellos, luxuriös, schwanked. Gefühlt, damals.
Abstand garantiert Aufprall, Aufprall schleudert weg, das stellt Abstand
neu her. Heftigste Nähen, abrupteste Trennungen gesucht, damals.
Jedes Tosen ein Treffer. Jeder Schock ein Lust. Leben wie frischgeschnittene
Blumen. Ich wollte der Wissenschaft zuvorkomen. Erfinden, was die Fabrikation
nicht nur von Aussehen und Krankheiten, sondern von Gefühlen und
Denkmustern untersucht. Ich fand dies in den Dingen die ich sah und
in den Ereignissen. Doch Ressourcen wurden knapp. Da ist die Musik verstummt,
die Magick verblasst. Verbraucht waren die dramatischen Ausdrucksweisen.
Meine Finger kreisten haltlos auf dem zerfetzten Papieren, den Briefe
und Landkarten. Man riet mir Ruhe zu geben und mehr"Sinn zu machen"?
Doch meine Sinne gaben keine Ruhe, sehnten sich nach Erschütterungen,
Unebenheiten, Bewegungen über Meisterschaftsansprüchen. Ein
kleiner Knüppel aus Holz umwickelt mit einem alten Stück roter
Seide mit Genauigkeit angesetzt, rotierend am Rand, bringt die metallene
Schüssel zum "Singen". Und füllt den Raum in kürzester
Zeit mit Sound. Ah, die Möglichkeit der Betrachtung! Da ist es
wieder das luxuriöse Schwanken. Aufruf: Stelle einen herzlichen,
lauten rhythmisierten, semi-improvisierten Kurzschluß her! Abgetaucht
in den Schüsseln der Stadt plante ich den Schlag mit Holz auf Metall.
Ein Klang auf Welt und Bilder! Auf aktive Betrachtung, auf neue Bilder-Crashs.
Ich war wieder bereit.
Lookbook
Seite um Seite, Dinge, Girls, Dinge, Girls. All das und das Papier sind
vom Teuersten. Die Abbildungen. Die totale permanente Verführung.
Alles wollte ich es ihnen zeigen! Und ein Handbuch enstand: "How to
get into the real abyss". Mit rosa Spiegelgläsern, gefasst in ein
goldenes Gestell, bin ich gekommen sie alles zu übertünchen,
die Dinge, die Girls und die Ding. All diese Bilderbücher werden
schwarz übermalt. Dann mit neuen Zeug bekritzelt. Transformationszeug.
Generalisiere. Personalisiere. Ich bin dabei. In einer Wirklichkeit.
Bewegung über Meisterschaft. Ich dachte ich hätte einige Farben
neu erfunden. Vor allem Das Rote. Und eine besondere Sehkraft. Da bin
ich nicht ganz sicher. Ein wird ein Buch DAS beweisen, oder aber daß
dies alles eine besonders clowneske Episode meines Lebens war.
Ganz Wirklich
Ganz Wahn
Vom Design des Lebens:Ein Text den man fühlt. Ein Bild das man
singt. Ein Leben das man stirbt.Ein Ton von dem man verführt wird
und ein Feuer von 2 Minuten mindestens. Behaupten und Verunsichern.
Ein Ding und sein Gegenteil. Das Anschauen eines Bild und eine Faust
durch die Leinwand; die Planungen durchbrochen, die Tausend Träume,
gesprengt und zersplittert pulverisiert. Großer Staub, die saubere
Oberfläche vermasselt. Mehr, mehr! De-instrumentalisiere die Kultur!
Geliebtes gestörtes Bild. Purpurne Flecke, die sich nicht herauswaschen
lassen. Und das alte Sein stoppt und stolpert, über Ränder
und Grenzen und Grammatik. Kunst ist übersetzung, Improvsation,
Fügung, ein Satz, ein Ausdruck, ein Freund, der spricht, emblematisch,
ein Eimer, tief, drin ein historisches Herz. Unvermindert schlagend.
Aus dem Takt geratene Mediationen zu Materialismus und Dekadenz. Ein
Traum von kollektiver Ekzentrizität, ein unwirklicher Luxus. Was
für eine seltsame Beziehung das Dasein zur Welt haben kann.
Besprechen
Und hier ist eine Handvoll! Bücher, Gedichtbände! Nicht in,
aber entlang der Literatur. Hier sind sie, die Sachen ohne "Wert". De-instrumentalisierte
Worte. Wie es die mir eingebaute Attraktion will, sind es alles Sachen
von nicht mehr jungen, amerikanischen weißen Männern, die
auch/eigentlich eine Art Rockmusik haben/hatte, Songs schreiben, Gitarre
spielen, und Sound, Music und Ideengut des amerikanischen "Independent"
Rockmusik-Terrains mitbestimmt haben. (Sonic Youth, Silver Jews und
Television) jedoch auch alle an bestimmten Lebenspunkten sich mit Dichtung
in der amerikanischen Beatnik-Tradition. Es sind alles Sachen die lustig
sind. Die einen andaran erinnern, daß es unregulierte, wahnsinnige,
seltsame Gewebe aus Phantasien sein können, das Sprechen über
Alltag und Sex und Musik und Beziehungen und das ganze schäbige
und glorreiche Drumherum in Slang,geliehenen Surrealismus, Grinsen und
Gelächter zu kleiden und obwohl sehr egomanisch, dennoch nie "erwachsen"
sein zu wollen; hier bei handelt es sich um das was Kim Gordon als den
"rockstar-toddler" Standard ausgemacht hat. Man findet auch Bemerkungen
der Kulturkritiker hier und da zu den Spätfolgen der internalisierten
Verehrung von Teenager-Kulturen. In der Konsequenz sind diese Autoren
extreme Figuren, nur bedingt kompatibel mit der "wirklichen Welt"; dennoch
oder gerade deshalb aber sind sie bereit zu radikalen und lächerlichen
Gesten gleichzeitig, und furchtlos und mittendrin verlangen sie nach
der Transformation kultureller Erbschaften. So was ist eine herrliche
Grundlage! ....."combines preciousness and the retarded very naturally,
ending up with something neither pretentious nor dumb-it´s beautiful
and new and free" schreibt die Kennerin dieser speziellen männlichen
Dichterpsyche Lisa Crystal Carver (die auch als Lisa Suckdog bekannt
ist) über Thurston Moore in einem Nachwort zu "Alabama Wildman".
Darin finden sich Gedichte, Gedankenstücke, Reminiszenzen, und
ein ellenlanges Interview mit Patti Smith; da ist Moore ganz weit weg
vom alten Sonic Youth Dictum "Kill Your Idols", sondern geht er hier
an ein konstruktives Ausleben der Verehrung (wie z.B. zusammen das Grab
eines gemeinsamen andern Idols aufsuchen, Kerouac, und über Dichtung
und Musik und Essen reden).
Und wie im Blues im Sagen die Sache ausgelebt, das heißt das Peinigende
an einer Situation geht weg in der Aufführung. So regelt sich das.
So werden neue Geschichten und neue Mythen in die Zirkulation gegeben
und die das benannt, was ist, Und alles ist Dichtung, aber in dem Sinne
wie Godard Dichter ist oder Burroughs obwohl beide keine Gedichte geschrieben
haben/schreiben. Es ist Dichtung in dem Sinne, daß da Leute ein
fragmentarisches Universelles aufklappen, konstruiert, gefühlt,
gebaut, hermetisch, kryptisch, aber immer mit soviel öffnungen
drin, daß man einsteigen kann. Die öffnung, das ist meistens
ein Moment des Slapsticks. In "Actual Air" wird man in eine etwas kargere,
kontrolliertere, distanziertere Sphäre (und Arbeitsweise) gezogen.
Der Humor ist vertrackt bis sophisticated, die Sprache auf den ersten
Blick alltäglich, jedermann-haft. der Akt liegt in der Konstruktionen,
der Setzung. Die Worte sind die Noten. Liest man sie ,werden aus ihnen
Songs. "Wanna go out?" ist eine brachiale Spinnerei, ein großer
Spaß, ein New-York-Neo-Beatnik-Ekzess, beseelt von Geiste dekadenter
französischer Dichter und Punk-Rock. Dazu ist es es eine männliche
Doppel-Fantasie; die deutlich geschminkten Gesichter der beiden damals
jungen Männer erscheinen durch das "double exposure" als ein Frauengesicht;
sie wählen den Namen Theresa Stern, die sie als Tochter eines deutschstämmigen
jüdischen Vaters und einer puertoricanischen Mutter ausgeben, und
lassen sie monologisieren.Gerade wiederentdeckt, stelle ich fest, daß
ich es sehr mag, weil es in all seinem Jive sehr klar und urban ist.
Bestes Tempo.Beste Widersprüche.b Befreite Betrachtung. "alles
wovon ich träumen kann ist Schlamm, Schlamm, Schlamm" (T.St. )
. Ah, das Zeug zur Transformation ist da. Alles Rote Beeten.
"Alabama
Wildman" von Thurston Moore (Water Row Sudbury 2000) "Actual Air" von
David Berman (Open City New York 19999 "Wanna go out ?" von Theresa
Stern ( alias Richard Hell und Tom Verlaine in einer Kollaboration,
ursprünglich erschienen bei dot books in New York 1973 , Neuauflage
Editions Anna Polerica in franz. und englisch 1999)
Ilse Kilic
/ Fritz Widhalm: Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss! Wien: edition
ch, 1999. 108 Seiten, Preis: 10,17 EUR.
Ilse Kilic / Fritz Widhalm: Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd. Wien:
edition ch, 2001. 128 Seiten, Preis: 11,62 EUR.
Ilse Kilic / Fritz Widhalm: 2003 - Odyssee im Alltag. Wien: edition
ch, 2003. 108 Seiten, Preis: 12,- EUR.
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