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Roberto Cabot
(neu) |
Roland
Schappert Die IdealWert AG bündelt vier Immobiliengesellschaften in der Idealwelt AG mit Hauptsitz in Berlin. So etwas lesen wir doch täglich. Die Bild-typische Melanche ist auch so ein Workout-Programm für arbeitslose Akademiker, die nicht mehr aus der Mode kommen können. Ob sie wollen - oder nicht doch... Wer hat sie gefragt? Wenn die Frage sich nicht an sich selbst richtet, kann die Frage nur schlecht sein. Nicht schlecht gestellt, sondern verwerflich, unmoralisch. Oldschool ist in, keine Mode. Prada ist wirklich sexy, Gucci stinkt. In zwei Jahren kennt niemand mehr den Ausdruck Pink-Slip-Party. Das durchdringt dann wieder pädophile Lüsternheit, Provotour in Irland für Frankreich-müde Literatenkonten. Die Zeit darf schwer werden, wenn Gänsefüßchen mal allgemein verboten sind. Das weiße Blatt, der einzige Thingtank, der bleibt, der vor jedem Monitor Platz finden kann und dabei noch hell leuchtet. Das ist großartig. Anderthalb mal soviel wie das ostentativ Neue in Vogue, dem Glamour-Blatt für gutes Papier. Alles Papier muß irgendwo drin bleiben, weiß machen, nicht weil es wieder modern wäre. Nein. Weißes Papier bedeutet nicht einmal Karomuster, keine Linien, keine Löcher, keine Blumen. Es ist der Hauch Ideal-Wert AG, der gute Atem, nimm zwei. Das Orchester der Obdachlosen spielt jetzt. Legt keine Platten auf, wird gemanagt. Das Booking läßt noch zu wünschen übrig, aber das kommt noch. Die spielen wunderbar, man kennt sie nicht, man hört sie nicht, eine gute Sache. Bloß nur kein Tittenorchester der T-Shirtlosen. Pfui. Pure Sattheit. Hunger hat
man immer wieder. Der Magen knurrt, wie man das so kennt in mauen Gegenden.
Man greift zum Brötchen. Plötzlich, so als ob völlig Unerwartetes
möglich wäre: Sesam rieselt vom Brötchen, Sesam öffnet
sich. Makrowelten werden sichtbar, die Körner spalten sich. Es entsteht
zwar keine digitale Offenbarung, aber Leben strömt aus den Ritzen
der Teilchen. Und Leben tut Not in Zeiten der privaten Krankenversicherung.
Im Alter kaum Aktien verkauft, schon heißt es dann Strom ohne Ufer.
Da hört man besser, dass eine Stimme naht, die das geöffnete
Leben prophezeit, als ob nichts gewesen wäre. Für den Rest eines kleinen Lebens weggesperrt. Lassen wir das. Kreuzverhöre sollte man lieben wie Salvatore Riini, vierzig Jahre unerkannt bleiben wie Bernardo Provenzano. Aber die Zeiten der großen Ballerei sind nicht nur in Corleone vorbei. Sizilien bleibt schön und ein guter Schauplatz nicht nur für die Cosa Nostra. Ich erinnere mich an all die tollgebauten Straßen Ende der achtziger Jahre, wir verbrachten drei Wochen dort. Palermo war noch eine verrottete Baustelle. Die Mafia schien unsichtbar. Aber hatte sie ihr Verhalten wirklich geändert? Sitzend im ICE, laß ich in der ZEIT: "Heute erleben wir eine Rückkehr zur Antike, ein Revival der alten Strategien, der alten Denkmuster, des alten Verhaltenskodex: Infiltrieren und koexistieren statt von draußen den Staat und die Gesellschaft frontal zu bekämpfen - so lautet das Losungswort des neuen Jahrtausends." Die Mafia hatte wohl nicht aufgehört zu existieren, sie schien nur ruhiger. Im Zug mal wieder so ein Club der Autonomen. Sie betrieben Autopoiesis mit Handy und sprachen in Konferenzlautsärke. Vortragende waren natürlich alle zugleich. Kinder würden sich nicht derart verhalten, so rücksichtslos. Wenn Kinder sprechen, klingt das auch melodischer. "Trasi munnizza e nasci oro." Wenn aus Abfall Gold entsteht, werden nicht nur die Elemente neu gemischt, sondern es steigt das Handelsvolumen. Neue Aktivitäten entstehen neben dem Zentrum des Interesses. Wir sind nur die Kinder einer neuen Zeit. Wie oft haben dies die Generationen schon glauben müssen. Dafür war ich schon zu alt, als ich dies schrieb, siebenunddreißig Jahre jung - zu alt. Mit dem offenen Golf an den Golf-Krieg fahren, dicht dran. Das wäre offensichtlich nicht gegangen. Mit dem Fahrstuhl in den elften September. Also gibt es doch noch Grenzen, die zu achten sind. Klasse. Fünf. Setzen. Jung-Schreiber
bleiben immer jung. Das ist ihre Gunst der Stunde. So etwas wird ihnen
nur vorgeworfen, bevor es zu spät ist, der Zeitgeist-Possen-Wahn
entweicht. Die Sonne scheint in Köln. Ich bin für Köln. Das ist auch gut so. Wenn ich aus Berlin komme, ist es gut in Köln zu sein, wenn ich nach Berlin komme, ist es gut in Berlin zu sein. Wenn ich an London denke, wäre es gut in London zu sein. Bin ich aber nicht. Also steige ich in Köln aus dem Zug, treffe meine Mutter zum Mittagessen, begleite sie in das Parkhaus am Rudolfplatz, suche meine Wohnung in Ehrenfeld auf, packe aus, lese die Post aus dem Atelier, die ich noch holen muß, bade in der Badewanne, trinke ein Bier, schlafe ein. Wenn ich meine Mutter treffe, reden wir fast immer über Fleisch. Fleisch ist wichtig. Ihr ist zu viel Fleisch auf dem Teller, wie sie jedes Mal sagt, ich esse Fisch, und sie fast nur Fleisch und läßt das Gemüse und die anderen Beilagen weg. Verona ist
schön, hat immer schöne Schuhe an. Trägt sie fleischfarbene
Nylons? Ich weiß es nicht, so gut kenne ich sie nicht. Aber das
wäre wichtig. Sie heiratet diesen komischen Typen. Da denke ich lieber
nicht an sie. Wer glaubt an Sandra, die Maischberger. Ich Laie. Wie sie
die Lücken füllt. Wie sie das dem Schmidt, dem Hanseaten, gezeigt
hat. Der mochte sie nicht.
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