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Alexander Kunz
Catherine Millet
Alexander Kunz
Kirchhoff / Meinecke
Alexander Kunz
Roland Koch in der KHG
Corinne Schneider
Und das Subjekt existiert doch -
Ein Claude-Simon-Abend
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Corinne
Schneider
UND DAS
SUBJEKT EXISTIERT DOCH
CLAUDE SIMON UND SEIN EINFLUß AUF DEUTSCHE AUTOREN
Ein Abend mit Ilma Rakusa, Marcel Beyer und Thomas Lehr im Kölner
Institut Français, moderiert von Thomas Steinfeld
Während
einer Sommerreise durch die Vereinigten Staaten besuchte Thomas Steinfeld,
bis Juli 2001 Journalist für das Literaturressort der FAZ, nun der
Süddeutschen Zeitung, den amerikanischen Autoren Stewart O' Nan.
In dessen Garage standen ein Convertible 44o und ein Spider. Thomas Steinfeld
folgte dem Schriftsteller in sein Haus, sich sicher wähnend, mit
ihm über Reifen oder Nockenwellen, jedoch niemals über Literatur
sprechen zu können. Im Haus befanden sich etwa 300 bis 400 Bücher,
überwiegend Bücher des Nouveau Roman. An jenem Abend entspann
sich hier eine tiefgreifende, rege Unterhaltung über den Nouveau
Roman. Die gängige Meinung über den Nouveau Roman sei, das er
mit einer strengen Form unvereinbar sei; das Bild des Nouveau Roman sei
selbstreflexiv.
Claude Simon ist der unbekannteste unter den bekannten französischen
Autoren, trotz seines Nobelpreises 1985. Seine Kritiker fangen jedesmal
an, ihn neu zu entdecken. In Deutschland wurde er erst spät übersetzt.
Claude Simon sitzt an der Stelle, an der einst der historische Roman war.
Er steht im emphatischen Sinne für französische Geschichte.
Daß Literatur wieder schwieriger wird, ist ihm maßgeblich
mitzuverdanken. "Nach dem Holocaust weiter erzählen ist nicht
mehr möglich." so sein Credo.
Alle drei Autoren lasen aus ihren eigenen Werken (s. u.). Aus Tausenden
von publizierten Seiten Claude Simons wählten zwei Autoren den Schluß
der "Akazie" heraus, ohne von dem jeweils anderen zu wissen.
Ilma Rakusa hat es versucht, seine mitunter seitenlangen Sätze zu
übersetzen. Claude Simon , das ist für sie das pure Partizip
Präsens Aktiv. Sie schätzt an ihm seine syntaktisch schwebenden
Bezüge. Für sie ist er wie ein Maler oder Zeichner, was sich
schon im Satzspiegel seiner Texte niederschlägt. Lesen solle man
ihn wie ein Mandala. In ihrer Lyrik "Gehen" verarbeitet sie
den Rhythmus von Sprache, sie streichelt keine Oberflächen, sie verortet
Takte aus der Tiefe.
Thomas Lehr möchte zunächst solide schreiben, bevor er später
zum Freistil übergeht. Wochenlang hat er eine Szene verfaßt,
die er dann in ähnlicher Weise Jahrzehnte früher formuliert
bei Simon vorfand. Seitdem steht Claude Simon für ihn im Pantheon.
Er ist fasziniert von Simons stilistischen Fähigkeiten, von seinen
grandios gestalteten Oberflächen. Thomas Lehr blendet in seiner Lesung
einen Ausschnitt aus "Die Erhörung", vor und zurück.
Bei ihm steht das Erzählte im Vordergrund.
Ganz anders als bei Marcel Beyer. Er interessiert sich seit Mitte der
80er Jahre für Claude Simon. Wichtig wurde er für seine Arbeit
Anfang der 90er Jahre. Für ihn geht es bei Claude Simon um Geschichte,
jedoch ohne einen historischen Roman zu schreiben. Dort werden keine Einzelschicksale
illustriert. Was denn der Kern von Simons Konstrukten sei? Für Beyer
ist es dessen Technik der Aussparung. Beyer, der auch einen Ausschnitt
aus "Die Akazie" ausgesucht hat, taucht in seiner Lesung aus
"Spione" tief hinab in die Bedeutungsschichten. Er streift auch
einen Baum, den ein Ehepaar aus dem Fenster nachts betrachtet, aber dieser
Baum erinnert den Mann an seine frühere Partnerin. Seine Frau weiß
darum und immer wieder steht dort dieser Baum. Verflechtungen von unsprechlichen
Ebenen pur.
Alle Autoren sind sich einig, das bei Claude Simon eine Verbindung zwischen
dessen langen Sätzen und dem Tod besteht. Sie begrüßen,
das er allen Subjektvernichtern entgegenschmettert: "Ätsch,
das Subjekt existiert doch." "Tief dringe er ein in die Poren
der Zeit, denn," so Marcel Beyer, "es müsse ja jemanden
geben, der wahrnimmt, jemanden, der Zeiten rafft."
Claude Simon: "Die Akazie", Suhrkamp Verlag, 1998, gebunden
Ilma Rakusa:
"Gehen" in: "Steppe", 1997, edition Suhrkamp
Thomas Lehr: " Die Erhörung", Aufbau Verlag, 1995, geb.
Marcel Bayer: "Spione", DuMont Verlag, 2000, geb.
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