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Peter Licht: Wir werden siegen -
Buch vom Ende des Kapitalismus

Stefan Heuer
Aufbegeheren, gebrochen Zeile
Jan Egge Sedelies

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Von Thujen und Tagen
Petr Borkovec

Stefan Heuer
Verlustreiches Ende
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Liebe & Gin.
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Adrian Kasnitz
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Speiseeisheilige
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Ein Paradies ohne Trost.
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Joachim Lottmann &
Diedrich Diederichsen

Olaf Karnik
Is this real?
Die Kultur des HipHop

Isabella Löhr
Gilbert Adair
Der Tod des Autors

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René Hamanns
Neue Kokons

adrian kasnitz
Aus der Proninz
ins Zentrum (et retour).
Eine Anleitung

adrian kasnitz
Wie viel Autobiographie
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Wanderungen durch
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Klaus Theweleit -
Der Knall

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Philip Grabinski
Das mechanische Klavier

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Nachtstück -
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Achim Wagner
Getränke, Betäubungen und der Masterplan
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Sport ist Mord

Achim Wagner
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Verschwende deine Jugend

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Drei Strassen in Texten.
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Jochen Schimmang- Die Murnausche Lücke

Benedikt Geulen
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Stan Lafleur (Autor der Rheinischen Brigade)

JÜRGEN TEIPEL: VERSCHWENDE DEINE JUGEND

1987 zog ich nach dem Abitur von Karlsruhe nach Düsseldorf und hörte dort erstmals krude Geschichten über Bands wie Plan, S.Y.P.H., KFC oder Minus Delta t. In Karlsruhe, wo sich Nachrichten über interessante Begebenheiten in der Regel bereits zwei bis fünf Jahre nach Erscheinen herumsprachen, hatten bis dato nicht einmal die Punkmusiker von ihren Wegbereitern gehört.
Kaum war ich in Düsseldorf angekommen, schlossen zwei legendäre Punkläden, das Okie Dokie in Neuss und der Ratinger Hof in der Altstadt, ihre Pforten - deutliche Zeichen, dass eine Ära vorüber war. Dennoch gab es fortan immer wieder Revival-Abende, die Toten Hosen traten dabei unter Decknamen auf, was insofern witzlos war, als sich das Gerücht in Windeseile durch die gesamte Region verbreitete und diese Konzerte stets binnen kürzester Zeit ausverkauft waren.
In der Stadt rankten sich zahlreiche Legenden um die alten Helden. Verrückte, witzige und auch traurige Geschichten. Der Geist von 77 wurde von den zehn Jahre Jüngeren konsumiert, hoch gehalten und gleichzeitig verspielte die Generation X weitgehend ihre eigenen Möglichkeiten: Es gab eine breite, unbeachtete Szene von experimentellen Musikern und Bands, die sich nicht so recht aus den Fußstapfen ihrer Vorgänger lösen konnte.
Vor ein paar Monaten legte nun Jürgen Teipel mit "Verschwende Deine Jugend" die längst überfällige Doku über die Anfangsjahre von Punk und New Wave in Deutschland, hier besonders Düsseldorf, Berlin und Hamburg, vor. Sein geschicktes Patchwork aus Interviewsequenzen enthält meist klare, manchmal erschreckend hirnrissige, dann wieder ziemlich originelle Statements der Punkrocker, Punk-Avantgardisten und Spaßpunker der ersten Stunde. Teipels Trick, die unterschiedlichsten Stimmen gegeneinander zu stellen, geht voll auf. Die Schnitttechnik erzeugt Reibung, enthält sich jeden Kommentars. Teipel verwendet nur Antworten, Fragen tauchen im Text nicht auf. Die rückblickenden Äußerungen der Protagonisten entfalten dadurch ein stimmiges, weil kontroverses Sittenbild des Punk. Gewalt(fantasien), Kunst-Bestreben, Straightness und Hängertum, sowie die dazu passenden Drogen(geschichten) - alles wird miteinander verquirlt, gleichzeitig gegeneinander abgesetzt. Diese Art der Wortplastik vermittelt ein Gefühl, als sei man selbst mittendrin im rekapitulierten Geschehen.
Besonders interessant zu sehen ist, wie Leute, die Ende der 70er gegen das nach wie vor bestehende Hippietum auf der einen, das bürgerliche Establishment auf der anderen Seite aufbegehrten, vollkommen banal erklären, was sie damals dazu veranlasst hat. Thomas Schwebel: "In Solingen wird man entweder Alkoholiker oder man zieht weg. In den 70ern gab es da nichts." In anderen Sätzen manifestiert sich die Schwäche von Punk als Gesellschaftsutopie. "Etwas" den herrschenden Zuständen entgegensetzen: Aber ja! Nur was das genau sein sollte, darüber wurden sich die verschiedenen Protagonisten nie so richtig einig. Eine frische Alternativ-Szene explodierte nach englischem Vorbild mitten in die deutsche Langeweile, um dann, wie in solchen Fällen üblich, an den Grenzen des Erfolgs auszufasern und nach und nach zu verpuffen.
Die chronologische Ordnung (Sommer 76 bis heute) läßt kaum Fragen nach der Entwicklungsgeschichte offen. Teipel hat gründlich recherchiert. Mit "Verschwende Deine Jugend" versteht er, eine Zeit wieder aufleben zu lassen, die viele Anstöße beinhaltet, wie eine Kulturrevolution heuer aussehen könnte. Und ebenso wichtig: Wie besser nicht.

Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend (Suhrkamp Taschenbuch 3271)

Weitere Informationen zu "Verschwende Deine Jugend" unter:
www.gesellschaftsinseln.de